You better go to work

Wie die Zeit verfliegt, es ist schon wieder über ein Monat vergangen seit ich aus Fiji zurück bin. Seitdem ist wieder viel passiert. Die letzten Wochen habe ich mit wwoofen verbracht. Wwoofen? Eine Menge Menschen scheinen noch nie davon gehört zu haben. Übersetzt heißt es ‚World Wide Opportunities on Organic Farms‘. Beim wwoofen hilft man den Einheimischen und bekommt als Gegenleistung gratis Unterkunft und Verpflegung. Was als Initiative auf Biofarmen begann hat sich in den letzten Jahren auf viele andere Bereiche ausgeweitet.
Ich habe die letzten Wochen bei drei verschiedenen Hosts verbracht, jeder Aufenthalt war unterschiedlich und bei allen habe ich so viel gelernt und tolle Erfahrungen gemacht. Mein erster Wwoofing Platz war nahe Rotorua am Lake Tarawera. Ich half Geoff in seinem Café. Kein gewöhnliches Café, sondern ein Foodtruck, der ganz in der Nähe des wunderschönen Sees steht. So viel Mokka wie in dieser Zeit habe ich noch nie getrunken. Und mit so vielen Katzen habe ich noch nie zusammen gewohnt – ganze sechs Stück zählen zur Familie.


Apropos Familie – mein zweiter Wwoofing Platz war in Hamilton in einem wunderbar chaotischen Frauenhaushalt: Mit Nina, ihren drei Töchtern und zwei Katzen hatte ich eine tolle Zeit. Ich wusch Wäsche, kochte literweise Apfelmus und buk zahlreiche Apfelkuchen. Am Ende meines Aufenthalts nahm mich Nina, die Ärztin ist, mit zu einem Programm für Medizinstudenten. Es ging dabei um die medizinische Versorgung in ländlichen Gegenden. Daher verbrachten wir zwei tolle Tage mit einem Maori Stamm in der Nähe von Whakatane. Wir schliefen die Nacht in einer Marae, einem traditionellem Versammlungsort der Maori, der jeweils zu einem bestimmten iwi (Stamm), hapū (Unterstamm) oder einer whānau (Familie) gehört. Uns wurde viel über die Geschichte des Stammes erzählt, aber auch über traditionelle Pflanzen und das Leben im Stamm allgemein. Eine unglaublich tolle Erfahrung, die ich als ’normaler‘ Tourist nie hätte erleben können.


Mein dritter Wwoofing Platz war auf der wunderschönen Coromandel Halbinsel. Es mag zwar tiefster Winter in Neuseeland sein, hier kann man bei Sonnenschein trotzdem mit Shorts und T-Shirt rausgehen, ein perfekter Platz zum überwintern also. Ich arbeitete hier bei Gina und Lance in ihrem Bioladen mit integrierter Eisdiele. Mixed Berries kann ich sehr empfehlen – dass ich alle Sorten probieren musste ist ja klar, man muss die Kunden schließlich gut beraten können!


Was mich beim wwooofen am meisten überrascht hat, war das Vertrauen, das einem entgegen gebracht wird. In Hamilton hatte ich das Haus schon am zweiten Tag ganz für mich alleine, weil mein Host über Nacht zu einem Meeting musste. Theoretisch hätte ich das ganze Haus ausrauben und verschwinden können. In Coromandel war ich auch schon an meinem zweiten Tag alleine im Geschäft, dürfte das Auto fahren und die komplette Abrechnung machen. Ich frage mich, ob das in Deutschland oder Europa auch so wäre. Ehrlich gesagt kann ich es mir nicht vorstellen, aber vielleicht werde ich ja noch eines besseren belehrt. Wwoofing ist auf jeden Fall eine tolle Erfahrung, es zeigt einem neue Perspektiven auf das Land, man lebt und arbeitet wie ein Neuseeländer und sieht definitiv mehr als ein normaler Tourist. Die nächsten Wochen gönne ich mir aber wieder eine Auszeit vom Wwoofen, denn es geht wieder ‚on the road‘ ganz hoch in den Norden zum Cape Reinga. Drückt mir die Daumen, dass sich der Winter dort auch wie Sommer in Deutschland anfühlt.

Find your Freedom

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Eigentlich war es nicht geplant, aber sind die Dinge die wir nicht planen, nicht oft die besten? Denn ich wollte meine gesamte Zeit in Neuseeland verbringen – eigentlich. Aber wie das Schicksal so spielt, bin ich jetzt in Fidschi – manche mögen es Paradies nennen. Nur etwas mehr als drei Stunden braucht man von Neuseeland zu dieser Inselgruppe im Pazifik. Schon vom Flieger aus kann ich die zahlreichen Inseln erspähen, mit ihren endlosen Stränden und glasklarem Wasser.
Am Flughafen kommt mir nicht nur die warme sonnen-getränkte Luft entgegen, sondern auch der Klang von Gitarrenmusik und erfreute Willkommens-Rufe.
Da ich nur begrenzte Zeit hier habe, steige ich schon am nächsten Tag auf die Fähre und lasse mich an zahlreichen Inseln vorbei bis zur Nacula Island bringen. Alles hier ist wie ein Postkartenmotiv, so schön, dass es schon fast kitschig wirkt. Ich bin angekommen in der Fiji-Time, die Tage verfliegen im Wechseln von Meer, Wanderungen durchs Hinterland, Lagerfeuer am Strand und herzlichen Bekanntschaften.
Meine Haut bräunt sich langsam, der Stress verfliegt, die Gedanken fliegen. Es hat wohl drei Monate Reisen gekostet, aber hier fühle ich mich so unendlich frei. Nicht nur die Freiheit mir auszusuchen welchen Weg ich als nächstes wähle, welche Dinge ich erleben möchte. Es ist die Freiheit in meinem Kopf. Es geht nicht mehr darum, was andere von mir denken oder von mir erwarten, es geht nur um mich. Auch wenn es vielleicht egoistisch klingen mag, ich fühle mich so frei zu tun und zu fühlen was ich möchte, wie noch nie zuvor. Ich bin noch nie so sehr ich gewesen wie in diesem Augenblick. Diese Erkenntnis macht mich so glücklich, dass ich jeden morgen gespannt aus dem Bett steige und mich darauf freue was der Tag mit mir macht, was ich erleben und was ich lernen werde. Ich habe das Gefühl, dass mir die ganze Welt offen steht und mich jetzt so wie ich bin einfach nichts mehr unterkriegen kann.
Das ist es was das Reisen mit mir gemacht hat, auch wenn es anfangs manchmal schwer war alleine unterwegs zu sein, es hat mich zu dieser Erkenntnis geführt. Manchmal ist es einfach gut sich für eine Zeit lang von allem zu lösen, denn so findet man wohl ein Stück mehr zu sich selbst.
Mit dem Blick auf das Meer im Abendrot und dem Rauschen des Windes in den Palmblättern schicke ich euch die größte Menge Entspannung, die ihr euch nur vorstellen könnt von einer kleinen Insel mitten im Pazifik. Ich bin gespannt wie meine Reise weitergeht, ich hoffe ihr auch.

Eure Sarah

Über Kaffeklatsch, Gruppendynamik und Freundschaft

Ein solch gewaltiger Tausch von Lebenswelten – bayerische Kleinstadt gegen brasilianische Großstadt – bringt nicht nur einen anderen Alltag mit sich, sondern auch ziemlich viele neue Bekanntschaften. So kommt es, dass nicht nur das Leben in der neuen, mittlerweile gar nicht mehr ungewohnten Umgebung mich prägt, sondern ich insbesondere aus den Begegnungen mit den Menschen, die mir in diesem Auslandssemester über den Weg laufen, mich auf ein Stück begleiten oder vielleicht auch für immer in meinem Leben bleiben, einiges über mich selbst lerne. Noch nie habe ich so viel über das Kennenlernen, den Charakter, die Harmonie zwischen zwei Menschen und  wie man sich selbst zwischen diesen ganzen neuen Kontakten fühlt, nachgedacht.

Zugegen, ein Großteil der Begegnungen wird sich wohl auf meine Zeit in Brasilien beschränken. Aber dennoch bin ich immer wieder erstaunt und auch erleichtert, wie schnell sich herauskristallisiert ob und wie gut man mit neuen Bekanntschaften versteht. Und ganz besonders schön ist es dann, wenn es eben nicht nur bei einer Bekanntschaft bleibt, sondern eine Freundschaft entsteht. Und dazu braucht es eben mehr als nur eine Unterhaltung bestehend aus den Fragen: Woher kommst du? Was studierst du? Wie lange bleibst du?

Ich war noch nie jemand, der eine große Gruppe von Freunden braucht, um sich wohlzufühlen. Dennoch habe ich in den vergangenen Monaten hier den ständigen Drang etwas zu unternehmen und freue mich umso mehr, wenn alle Canadenses, Italianos, Franceses, Alemães, Mexicanos & Co. Zeit haben. Genauso wie diese Abende im großen Kreis, die ziemlich häufig in einer balada (Club) enden, genieße ich aber auch die deutlich ruhigeren Nachmittage mit einer Freundin oder einem Freund bei einer Tasse Cappuccino. Schließlich sind es oft die stillen Momente, in denen die besten und bedeutungsvollen Gespräche entstehen. Und ohne solche hätte ich wohl schon längst das Handtuch geworfen und mich verzweifelt gefragt, ob den hier niemand so tickt wie ich. Denn auch auf der anderen Seite des Äquators trifft man auf die großen Fragen, die uns das Leben so stellt. Und genauso trifft man Menschen, die sich diese Fragen stellen. Und wenn man etwas Glück hat, dann trifft man auch jemanden, der mögliche Antworten auf genau diese Fragen liefern kann.

Abraços aus Brasilien, Julia

 

A large flat white with soy milk please

IMG_7461Kennt ihr dieses schöne Gefühl, wenn die Bedienung im Café neben eurer Arbeit schon genau weiß, was ihr bestellen möchtet? Eine stille Abmachung, dass man jetzt Teil dieser kleinen Welt ist, dass man angekommen ist. So geht es mir jetzt hier in Wellington, das Café neben meiner Arbeit, das zufällig den deutschen Namen ‚Kaffee Eis‘ trägt, ist zum kleinen Teil meines Lebens geworden, wie so viele andere Dinge hier.

Ich kann kaum glauben, wie schnell die Zeit hier verflogen ist. Schon zwei Monate lebe und arbeite ich in der kleinsten (und coolsten) Hauptstadt der Welt. Ich gehe unter der Woche jeden Tag zur Arbeit, um 9.30 Uhr stehe ich im Fahrstuhl, mit meinem Flat White in der Hand, und fahre hoch in den sechsten Stock in das Goethe-Institut. Ich bin Praktikantin der Kulturabteilung, darf mich also den ganzen Tag mit Filmen, Filmfestivals, Büchern, Künstlern, Pressemitteilungen und Social Media beschäftigen. Oftmals darf ich mit zu Filmvorstellungen, Artist Talks und Galerie-Eröffnungen. Geht es denn noch besser? Ich bin wirklich froh hier gelandet zu sein, besonders da meine Kolleginnen einfach nur herzlich sind und mir sofort das Gefühl gegeben haben willkommen zu sein. Wenn ihr mit dem Gedanken spielt euch hier zu bewerben, tut es!

Ist mein Arbeitstag dann um sechs Uhr abends vorbei, mache ich mich meist auf den Nachhauseweg zu meiner leicht verrückten WG in den Hügeln von Wellington. Hier leben Kiwis (die Menschen, nicht die Vögel oder Früchte) und Deutsche unter einem Dach und die Kombination funktioniert erstaunlich gut. Nur eine Sache, an die ich mich hier gewöhnen musste: Es gibt keine Schlüssel. Das Haus steht immer offen, also wenn ihr in Wellington seid, schaut einfach rein, jeder ist immer willkommen!

Die Wochenenden sind geprägt von Ausflügen und Erkundungstouren in und rund um Wellington. Es gibt unzählige Museen, Galerien, Wanderwege, Shops, Märkte und Bars. Was ich vermisse? Die Bierpreise in der Theke, hier kostet ein Bier schlappe 10 Dollar. Dass dazu die Mietpreise auf Münchner Niveau sind und man pro Woche und nicht pro Monat zahlen muss, macht das Leben hier nicht gerade günstig. Geht man zu einem Rugby Game (Go Hurricanes!), trinkt zwei Bier und gönnt sich ein Eis, ist man schon mal 60 Dollar los. That’s the kiwi way of life!

Aber all das lohnt sich, egal wie teuer manches ist, egal wie sehr ich manchmal meine Freunde und Familie Zuhause vermisse. Denn ich habe das Gefühl, dass ich jetzt alles schaffen kann. Was sind schon Masterarbeit, Jobsuche und ein neuer Wohnort wenn ich wieder in Deutschland bin? Ich habe es alleine ans andere Ende der Welt geschafft.

So genieße ich jetzt noch meinen restlichen Flat White, plane meine nächsten Reisen auf der Insel und werde euch in paar Wochen berichten, wie es nach meinem Praktikum in Windy Welli für mich weiterging.

Eure Sarah

Kiwi Roadtrip II

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Wenn man Neuseeländer nach dem besten – oder zumindest bekanntesten Burgerladen in Neuseeland fragt, erhält man mit ziemlicher Sicherheit als Antwort: Ferg Burger. Da ich zwar Vegetarierin, aber trotzdem eine kleine Feinschmeckerin bin, war es natürlich selbstverständlich, dass auch wir diesen hochgepriesenen Burger probieren müssen. Ich gebe zu, nicht nur wegen des Burgers, fuhren wir daher nach Queenstown. Die kleine Stadt ist eigentlich bekannt dafür, dass man hier jegliche waghalsigen, spannenden und adrenalinproduzierenden Aktivitäten begehen kann, die man sich nur ausdenken kann. Von Bungee Jumping über Abseiling, Sky Diving und Speedboat fahren wird den zahlreichen Besuchern hier alles geboten. Was wir taten? Wäsche waschen und Burger essen – war durchaus auch spannend und besonders lecker! Außerdem bietet die Stadt eine tolle Kulisse, sie liegt direkt in den Bergen an einem glasklaren See, der gesäumt wird von tiefgrünen Wäldern. Denn letztendlich muss man es immer zugeben. So sehr sich eine neuseeländische Stadt auch anstrengt, die Natur bleibt immer die Nummer eins.

Deswegen fuhren wir mit frisch gewaschener Kleidung (endlich!) weiter in Richtung Süden. Sogar so südlich, dass es nicht mehr weiter geht, zum Slope Point. Vielleicht könnt ihr erraten, wer hier lebt: Kein Mensch, nur Schafe. Diese grasen exakt 4803km nördlich des Südpols und 5140km südlich des Äquators. Das sagt zumindest das schmucklose Schild, das auf den kargen Klippen angebracht ist. Neben Schafen hat diese Gegend aber noch mehr zu bieten, zum Beispiel Pinguine und Delfine. In Curio Bay, einer wunderschönen Bucht mit eiskaltem Wasser tummeln sich fast jeden Tag Delfine. Wer Glück hat und den Sprung in das kalte Wasser wagt, kann sogar mit ihnen schwimmen. Wenige Meter weiter sind Pinguine Zuhause. Sobald es dämmerte legten wir uns auf die Lauer und warteten bis die kleinen, watschelten Vögeln aus ihrem Unterschlupf im Wald ihren Weg zum Meer suchten. Wir erspähten nur zwei von ihnen, aber diese boten uns immerhin eine grandiose Show. Es schien ihnen fast zu gefallen von so vielen Menschen angestarrt zu werden.

Nach diesem Highlight ging es wieder Richtung Norden. Wir fuhren durch Städte wie Oamaru, Dunedin und Naseby, aber mein Favorit auf dieser Strecke war definitiv der Mount Cook/Aoraki. Er ist der höchste Berg Neuseelands und bietet eine grandiose Kulisse. Wir genossen dort die Ostertage, wanderten viel, zum Beispiel den Hooker Valley Track, der zu einem Gletschersee führt, verbrachten unsere Abende unter wunderschönem Sternenhimmel und versteckten uns Ostersonntag Schoko-Kiwis im hohen Gras.

Die Tage unseres Roadtrips neigten sich langsam dem Ende zu, die Strecke zurück bis nach Christchurch bot uns trotzdem noch so einiges. Wir verbrachten zum Beispiel einen halben Tag am Castle Hill. Die Steinformationen dienten als Kulisse für die Filme ‚Die Chroniken von Narnia‘ und zwingen fast jeden dazu auf ihnen herumzuklettern und verstecken zu spielen.

Für meine Travelmates ging es nach unserem abenteuerlichen Trip wieder zurück nach Deutschland. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, die beiden in meinen ersten Wochen hier kennengelernt zu haben, vielen Dank für alles meine Lieben! Für mich ging es nach dieser Zeit zu dritt erstmal alleine weiter in mein neues Zuhause auf Zeit: Nach Wellington. Die Stadt des Windes, des guten Kaffees und der unzähligen Museen. Hier werde ich die nächsten zwei Monate verbringen und während meiner Arbeit im Goehte-Institut so einiges lernen. Cheers und bis bald meine Lieben!

Eure Sarah

Plädoyer fürs Abenteuer // Choose your own adventure

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Eine der Tatsachen, die mich hier an Brasilien am meisten glücklich macht, ist, dass ich mit der Entscheidung für das Auslandssemester über meinen eigenen Schatten gesprungen bin. Brasilien stand schon immer auf meiner Bucket-List. Aber den finalen Schritt zu wagen und wirklich einen Flug zu buchen, das hat knapp zehn Jahre gedauert.

Dennoch, das Bauchgefühl und die bereits lange Verbundenheit zu diesem Land haben mich nicht getrogen. Somit könnte ich also nicht glücklicher über meine Entscheidung sein. Und das ist nicht die Euphorie über diese Auslandserfahrung an sich und alle damit verbundenen Erlebnisse. Vielmehr ist es die Gewissheit, wie stark man selbst ist, wie gut man sich trotz all der kulturellen Unterschiede, Verhaltensweisen und der fremden Sprache zurechtfindet. Das wachsende Selbstvertrauen erfüllt mich jeden Tag mit ziemlich viel Glück und hilft mir, auch in komplizierten Situationen nicht den Kopf zu verlieren. Wenn dann noch neue Erfahrungen, wie Reisen und die damit verbundenen vielen, vielen neuen brasilianische Eindrücke hinzukommen, dann ist das Happiness- und Optimismus-Level ziemlich hoch. Und das wiederum kompensiert so ziemlich alle Ärgernisse und Schwierigkeiten, über die man in Regelmäßigkeit hier stolpert. In diesem Sinne, rock on! Nutzt die Chance auf so eine Erfahrung und folgt bei der Wahl des Ortes einfach eurer Begeisterung für ein Land!

The fact which makes me the happiest here in Brazil is that with the decision for studying abroad I overcame my own fears. Brasil has always been on my bucket-list but taking the last step and booking a flight took around ten years.

Eventual my gut feeling and the long existent bond to this country didn’t deceive me. That’s why I couldn’t be happier about my decision. And this is not just euphoria for this experience abroad and all its connected adventures. Rather is it the certainty about my own strength, about finding my own way despite all cultural differences, modes of behaviour and foreign language. My growing self-confidence makes me pretty happy every day and helps me not to panic even in challenging situations. If you add some new experiences and new Brazilian impressions which are linked to this, the level of happiness and optimism is pretty high. And this high level compensates pretty much all annoyances and difficulties you stumble upon regularity. With this in mind, rock on! Take the chance to gain an experience like this and choose the place based on your enthusiasm for a country!

Brasil, meu amor

Zeit für einen neuen Statusbericht aus Südamerika. Neun Wochen sollten einem eigentlich genügend Gesprächsstoff liefern. Trotzdem tue ich mich schwer damit, meine Erfahrungen in Worte zu fassen. Das war am Anfang, einige Zeit nach der Ankunft, noch deutlich einfacher. Viel mehr sind mir da noch Unterschiede und Besonderheiten ins Auge gefallen. Ich bin jedes Mal selbst überrascht, wie gut ich mich mittlerweile an meine neue Heimat gewöhnt habe. Das fällt mir insbesondere immer dann auf, wenn ich darüber nachdenke, wie vorsichtig ich anfangs bestimmte Dinge angegangen bin. Wenn im Kopf das Gedankenkarussell rattert: Kann ich um diese Uhrzeit noch zu Fuß in die Stadt laufen?; Stehe ich an der richtigen Bushaltestelle?; Wie halte ich ein achtstündiges Seminar komplett auf Portugiesisch durch?; Wie kann es sein, dass das Seminar mal kurz einen Tag vor Beginn verschoben wird?. Neun Wochen Brasilien lehren einem vor allem eines: Gelassener an Dinge rangehen. Scheint, als hätte ich mich ganz gut eingelebt.

Inzwischen kann ich stolz sagen, dass ich auch meinen ersten Masterkurs (schon fast) erfolgreich absolviert habe. 24 Stunden Content-Produktion und Online-Werbung und mal wieder die schöne Gewissheit, dass ich beruflich den richtigen Weg eingeschlagen habe. Die Unterrichtsweise unterscheidet sich nicht groß von Seminaren in Deutschland, außer dass der Professor gerade einmal zehn Jahre älter ist als wir, mitten im Berufsleben steht und somit authentisch aus der Praxis berichten kann. Noch dazu liefert er uns neben dem normalen Seminarstoff auch noch Inspiration im Sinne der Pflichtlektüre: Auf der Literaturliste steht jedoch keine wissenschaftliche Theorie, sondern ein Klassiker über Web-Usability „Não faça me pensar“ (Don’t make me think) von Steve Krug. Zum Glück sind meine Portugiesischkenntnisse inzwischen so weit fortgeschritten, dass ich etwa 90 Prozent des Gesagten im Seminar auch verstanden habe. Eine ziemliche Erleichterung, wenn man weiß, dass noch sechs weitere Wochenenden mit Blockseminaren auf Portugiesisch auf mich warten. Dabei geht es dann aber unter anderem um Konsumentenverhalten im Internet und Online-Markenbildung. Es bleibt also spannend im wissenschaftlichen Part meines Brasilienabenteurs.

Neben diesen kleinen Erfolgserlebnissen an der Uni werde ich nach wie vor nicht müde, das brasilianische Leben in mich aufzusaugen. Was vor allem bedeutet: viel Essen. Entweder weil unsere Gruppe mal wieder zusammen kocht – bis jetzt gab es bevorzugt viele italienische Spezialitäten, mexikanische Tortillas und natürlich brasilianisches Churrasco (Grillen) – oder wir eines der unzähligen Restaurants hier ausprobieren. Natürlich darf auch das Erkunden von neuen Orten nicht fehlen. So ging es vor eineinhalb Wochen über das Wochenende auf die wunderschöne Ilha do Mel, eine autofreie Insel vor der Küste von Paraná. Inklusive Übernachtung am Strand unter dem Sternenhimmel. Momente wie diesen hat mir Brasilien schon einige geschenkt: Sei es der Sonnenuntergang und der Blick auf die Skyline von Curitiba im Park Bariguí, der unbeschreiblich schöne Blick aus dem Busfenster auf die Berge von Paraná oder ein Tag voller Freude über die tolle Musik auf dem Festival Lollapalooza in São Paulo. Momente wie diese sind es, die mir immer wieder bewusst machen, dass ich mich auch wirklich in Brasilien befinde.

Und wie an jedem Ort der Welt sind es die Menschen, die ihn zu etwas besonderem machen. Ich bin froh, inzwischen meinen Platz zwischen all den neuen Gesichtern gefunden zu haben. Auch wenn natürlich solche neue Freundschaften sich vorrangig erstmal auf einer anderen Ebene befinden als die langjährigen engen Freundschaften aus der Heimat. Da habe ich aber dennoch sehr viel Glück gehabt mit meinen Begegnungen hier. Letztendlich zeigt mir die Entfernung aber einmal mehr, wer die wichtigsten Menschen in meinem Leben sind. Danke dafür, ihr Lieben!

Kiwi Roadtrip I

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You’ve got a fast car, is it fast enough so we can fly away? tönt aus dem Radio unseres roten Honda Odysseys während wir die Küstenstraße Richtung Norden entlangfahren. Die Sonne spiegelt sich im Meer und ich blicke immer wieder hinaus auf den Ozean in der Hoffnung noch einmal Seelöwen oder Delfine zwischen den Wellen zu erspähen.  Es sind die letzten Kilometer unserer langen Reise über die Südinsel. Ich versuche mich an die letzten drei Wochen zu erinnern, aber es scheint als wäre alles zu einem riesigen glitzernden Klumpen voller Erinnerungen verschmolzen. Jeder Tag war voll von so vielen neuen Eindrücken, unglaublichen Anblicken und interessanten Begegnungen, dass ich meine Gedanken kaum in die richtige Reihenfolge zu bringen vermag. Was ich jetzt weiß ist, dass ich drei Wochen in einem Auto wohnen kann, dass selbst im strömenden Regen die Natur Neuseelands atemberaubend ist und dass TimTams die wohl beste schokoladigste Erfindung des ganzen Landes sind.

Es scheint mir schon ewige Zeiten her, dass wir unsere Reise im Abel Tasman National Park starteten. Wenn ich daran zurückdenke, ist das Erste was mir dazu einfällt das glasklare, blaue Wasser und die zuckersüßen Seelöwenbabys, die dort vergnügt umherplantschten. Wir mieteten uns Kajaks und paddelten einen Tag an der zerklüfteten Küste entlang, vorbei an goldenen Stränden, Seelöwen und grünem Urwald. Auch wenn die Buchten dort eher abschreckende Namen wie Mosquito oder Sandfly Bay tragen, kommt es doch nah an das heran, was ich mir unter Paradies vorstelle. Die Namen der Buchten, erklärt mir eine Neuseeländerin später, kommen auch gar nicht daher, dass es dort wirklich lästige Mücken gibt, vielmehr wollte man früher durch die Namensgebung Touristen von den Buchten fernhalten. So konnten die Einheimischen ihr Land ganz ungestört genießen – Wer kann es ihnen verübeln?

Nach goldenen Stränden bot sich uns schon wenige Tage später ein komplett anderes Bild. Entlang der Westküste des Landes gibt es raue Klippen, wildromantische Leuchttürme, die berühmten Pancake Rocks und jede Menge atemberaubende Ausblicke. Man kommt sich vor lauter Naturgewalt plötzlich klein und zerbrechlich vor. Steht man vor hundert Meter hohe Klippen, von denen Wasserfälle ins Meer stürzen oder vor hellblau schimmernden Gletschern, die sich seit ewigen Zeiten durch die Erde des Landes graben, kann man nur insgeheim glücklich sein, dass man das erleben darf und fragt sich warum wir oft so dumm sind, diese Wunder immer weiter zu zerstören.

Nach der Westküste brachte uns unser Auto dann hinunter ins Fjordland und den südlichsten Punkt dieser wunderschönen Insel. Von den Abenteuern, die wir dort erlebten, will ich das nächste Mal berichten. Jetzt da unser Roadtrip sich dem Ende neigt, scheint sich auch der Sommer langsam zu verabschieden. Die ersten Blätter färben sich gelb, man kann sich problemlos ein paar Äpfel vom Straßenrand stibitzen und fast alle Schafe, die man auf den unzähligen Hügeln sieht, wurden schon geschoren. Aber nach all der Natur freue ich mich jetzt auf das quirlige Wellington und mein Praktikum und ich gestehe: Nach drei Wochen in einem Auto, auch wieder auf ein richtiges Bett.

Eure Sarah

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Einmal um die Welt bitte!

IMG_4327-kleinWie so viele Städte in Neuseeland hat auch Auckland einen Namen, den die Maori dieser Stadt gaben. Tāmaki Makaurau nannten sie diesen Ort. Übersetzt heißt das Die Stadt der Liebenden. Ehrlich gesagt erschien es mir anfangs schon etwas sarkastisch, war das doch der erste Ort in Neuseeland, den ich betrat und der mich tausende Kilometer von meinen Liebsten trennte.

Denn an einem Freitagabend war ich in einen Flieger in Frankfurt gestiegen, der Regen prasselte gegen die Scheibe und die vielen Lichter spiegelten sich in den Pfützen auf dem Rollfeld. 25 Stunden später, an einem Sonntagmorgen stieg ich auf der anderen Seite der Erdkugel wieder aus, die Sonne schien und mich empfingen angenehme 25 Grad. Es begann der erste Teil meiner Reise. Der eigentliche Grund warum ich hier bin ist das Praktikum, das ich ab Mitte April im Goethe Institut in Wellington machen werde. Davor will ich das Land sehen und noch möglichst viel vom Spätsommer genießen.

Meine ersten Tage verbrachte ich in Auckland, es war ein seltsames Gefühl, denn einerseits fühlte sich alles durch die 12 Stunden Zeitverschiebung und den dadurch bedingten Jetlag an, als würde es an einem vorbeiziehen, andererseits war alles so neu und aufregend, dass ich gar nicht wusste, wie ich meine Gedanken ordnen sollte. Auckland ist zwar die größte Stadt Neuseelands, heißt deshalb aber nicht, dass sie im europäischen Vergleich sonderlich groß ist. Das Zentrum ist geprägt von Geschäften, verspiegelten Hochhäusern und Café-Ketten, die es anscheinend überall auf der Welt gibt. Eigentlich fühlt es sich nicht an, als wäre man auf der anderen Seite der Erdhalbkugel. Bis auf die Kiwi-Kuscheltiere, die die Passanten durch die Ladenfenster betrachten, könnte man irgendwo in Europa durch die Straßen schlendern. Deshalb beschlossen ein paar Mädchen aus dem Hostel und ich bald die Fähre zu nehmen und die umliegenden Inseln und Orte zu erkunden. Am ersten Tag brachte sie uns nach Devenport, eine süßen Stadt auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht. Es gibt viele kleine Geschäfte und Cafés und es fühlte sich hier das erste Mal nach Urlaub an. Vom Gipfel des kleinen Berges dort kann man über ganz Auckland und die vielen kleinen Inseln blicken, die vor tausenden Jahren aus den über 50 Vulkanen entstanden sind, die jetzt friedlich unter der Stadt schlummern.

Schon am nächsten Tag stiegen wir wieder auf die Fähre und genossen die Fahrt zur zwei Stunden entfernten Halbinsel Coromandel. Dort angekommen buchten wir eine Tour ins Landesinnere, die uns tief in den Wald brachte. Auf der Fahrt zogen unzählige Farne und riesige Bäume an uns vorbei und es fühlte sich an als würden wir direkt in den Urwald fahren. Das Ziel der Fahrt war jedoch ein ganz besonderer Wald. Wir fuhren zu den Kauri-Bäumen, den größten Bäumen in Neuseeland. Über 99% fielen den englischen Siedlern und deren Bauwut zum Opfer, jetzt stehen nur noch wenige dieser Baumrießen in den Wäldern Neuseelands. Angeblich wurde der größte und ca. 4000 Jahre alte Baum von Siedlern gefällt und der restliche Baumstumpf wurde als Tanzfläche genutzt.

Es tat gut nach der lauten und hektischen Stadt wieder in der Natur zu sein und so freute ich mich umso mehr, als ich wenige Tage später wieder in ein Flugzeug stieg und nach Christchurch auf die Südinsel flog. Bevor es jedoch in die Weite und Wildnis des Landes ging, erkundete ich die zweitgrößte Stadt Neuseelands. Alles ist noch geprägt vom Erdbeben, das 2011 die komplette Stadt in eine Katastrophe stürzte. Die Kathedrale der Stadt liegt immernoch in Trümmern und erinnert jeden Besucher daran, wie furchtbar der Tag vor fünf Jahren gewesen sein muss. Auch der Rest der Stadt scheint sich noch nicht erholt zu haben, überall wo man hinblickt sieht man Baustellen und abgesperrte Häuser. Dennoch ist diese Stadt geprägt von Optimismus, den ich bewundere. Aus zunächst notdürftig aufgestellten Schiffs-Containern entstand ein bunter Ort voller Geschäfte und Food-Trucks, ein Ort der jeglicher Zerstörung zu trotzen scheint. Auf den vielen Fassaden der leerstehenden Häuser haben sich Künstler verewigt und in fast jeder Straße trifft man auf Kunstinstallationen und bunte Wände. Wenn diese Stadt eins kann, dann ist es nach positiv nach vorne zu blicken. Ich beschloss, dass dies wohl eine der ersten Lektionen sein würde, die ich auf meiner Reise lernen wollte.

Nun steht der zweite Teil meiner Reise an. Nach den Städten geht es jetzt für mich auf einen Roadtrip durch die Natur Neuseelands. Wenn die Wirklichkeit nur zur Hälfte meinen Vorstellungen entspricht, wird es wohl die schönste Autofahrt, die ich je hatte.

Eure SarahIMG_4251-smallIMG_4306 (2)smallIMG_4327-kleinIMG_4343-smallcollage-smallIMG_4394-2small

 

Oi gente! – Erste Eindrücke aus Brasilien

Drei Wochen ist es her, dass meine Füße zum ersten Mal brasilianischen Boden berührt haben. Die Faszination für das größte Land Südamerikas begleitet mich schon seit mehr als zehn Jahren. Umso weniger erscheinen mir einige Situationen hier real. Man stelle sich vor: Eine Bucht mit weißem Sandstrand, azurblauem Meer, tropischen Pflanzen, die sich links und rechts am Ende des Strands erheben, Fischerboote, die im Meer schaukeln, bunte Sonnenschirme, noch buntere Bikinis und am Horizont das Festland mit seinen dicht bewachsenen Hügeln, die sich hinter dem Sandstrand erheben. Genau diese Situation habe ich am Samstag auf der Ilha do Campeche erlebt, einer kleinen Insel vor Floriánopolis im Bundesstaat Santa Catarina.

Ja, Brasilien ist Strand, Meer und knappe Bikinis. Aber es gibt noch sehr viel mehr zu entdecken. Für sechs Monate werde ich im Süden Brasiliens an der Pontifícia Universidade Católica do Paraná in Curitiba „Digitale Kommunikation und Online-Branding“ studieren. Vergangene Woche bei den Orientierungstagen an der Uni sagte die Betreuerin des International Office, wir befinden uns gerade – so kurz nach der Ankunft – in der „Honeymoon-Phase“. Ganz sicher bin ich mir da nicht. Die ersten Tage waren ziemlich aufregend, jedoch auch geprägt von vorsichtigen Schritten in Richtung Alltag in Curitiba. Schließlich hat mich der Aspekt Sicherheit im Vorfeld ziemlich beschäftigt. Nach drei Wochen kenne ich zwar nicht jeden Winkel der Stadt, aber ich habe endlich einen Orientierungssinn, kenne die interessanten Bairros (Stadtviertel) und finde mich gut in den Straßen der Zwei-Millionen-Stadt zurecht. Für das Bussystem brauche ich zwar immer noch eine App, dafür kann ich dem Taxifahrer problemlos auf Portugiesisch den Weg zu meiner WG beschreiben.

Die ersten Wochen brachten zwei Umzüge, bürokratischen Aufwand, viele neue Gesichter, brasilianisches Essen, echte Caipirinhas und die Suche nach dem besten Bier Brasiliens mit sich. Nicht zu vergessen: die Sprache – ein essentieller Bestandteil des Lebens hier. Ich bin ziemlich froh, dass ich die letzten Jahre in Deutschland schon Portugiesisch-Kurse besucht habe. Denn wie Watzlawick schon feststellte: Man kann nicht nicht kommunizieren. Insbesondere in einem Land, in dem die zwischenmenschliche Kommunikation von so großer Bedeutung ist. Wo man in Deutschland einen Automaten oder eine Maschine stehen hätte, sind hier Menschen im Einsatz. Sei es, dass es in jedem Bus einen Busfahrer und einen Ticketverkäufer (!) gibt. Auf der Autobahn kündigen Fahnen-schwenkende Bauarbeiter eine Baustelle an. Und die Buskarte lädt man nicht am Automaten auf, sondern bei der Verkäuferin im klitzekleinen Zeitschriftenladen. Auch wenn ich schon viele, vor allem junge, Brasilianer getroffen habe, die sehr gutes Englisch sprechen, im Alltag ist Portugiesisch unverzichtbar. Aktuell träume ich aber noch davon, mich fließend an der Bushaltestelle zu unterhalten (und die Curitibanos unterhalten sich liebend gern an der Haltestelle).

Ansonsten fühle ich mich ziemlich gut im brasilianischen Alltag angekommen. Mehr muss ich mich immer noch an die Größe meines neuen Wohnorts gewöhnen als an die brasilianische Lebensweise. Die Brasilianer machen es einem aber auch leicht: Gutes und günstiges Essen, mit wunderschönen Pflanzen übersäte Straßen mitten in der Millionenstadt, viele Sonnenstrahlen (abgesehen von heftigen Wolkenbrüchen hier und da), Beijos (Küsschen) und Abraços (Umarmungen) wohin man schaut und die Freundlichkeit der Menschen, die man hier nicht suchen muss, sondern die ständig spürbar ist, sei es auf der Ausgehmeile spät abends, im Café ums Eck oder im Bus. Das Wichtigste, das man hier braucht, ist Zeit. Es gibt zwar einen Busfahrplan, aber das heißt nicht, dass der Bus nicht 20 Minuten später kommen kann oder aber auch fünf Minuten zu früh – und dann nicht wartet. Brasilianer lieben außerdem Nummern und Warteschlagen. Scheint auf den ersten Blick ungewohnt, aber es steckt ein System dahinter, das funktioniert. Letztendlich gibt es für alles eine Lösung und für alles einen Laden, man muss nur wissen, wo man hin muss. Womit wir auch wieder bei der Kommunikation wären…

Nachdem Brasilien schon so lange ganz oben auf meiner Must-See-Liste gestanden hat, bin ich von einem aufs andere Mal überrascht, wie sehr die Realität mit meiner Vorstellung übereinstimmt. Natürlich ist nicht alles rosarot, auch die negativen Seiten gehören zu dieser Auslandserfahrung dazu. Seien es die oftmals verwahrlosten Menschen, die einem mit ihren Metallwägen auf den Straßen entgegenkommen und entweder Karton oder Plastik sammeln, die Favela, die der Bus zur Uni täglich durchquert, oder die Tatsache, dass ich zu später Stunde nur noch mit dem Taxi unterwegs sein kann. Auch das sind Erfahrungen, mit denen man sich als Deutsche erst einmal bewusst auseinandersetzen muss. Das Schlimme ist, in Barcelona haben mich Müllsammler deutlich mehr geschockt als hier. Schließlich ist das doch Europa, sagt die innere Stimme. Dennoch habe ich das Gefühl, dass der Unterschied zwischen arm und reich hier genauso wenig angesprochen wird wie in Europa. Da sprechen die Brasilianer lieber über ihre korrupte Regierung – ein öffentliches Dauerthema, auch in den Nachrichten. Ich bin gespannt, in den kommenden Monaten auch auf politischer Ebene mehr über meine Heimat auf Zeit zu erfahren.

Nach drei Wochen bin ich mehr als froh, über meinen eigenen Schatten in das Abenteuer Brasilien gesprungen zu sein. Denn nur wenn man es selbst erlebt, kann man sich meiner Meinung nach ein Urteil bilden. Schließlich hat Brasilien so viel mehr zu bieten als Samba, Strände und Caipirinha. Até logo!