Über Kaffeklatsch, Gruppendynamik und Freundschaft

Ein solch gewaltiger Tausch von Lebenswelten – bayerische Kleinstadt gegen brasilianische Großstadt – bringt nicht nur einen anderen Alltag mit sich, sondern auch ziemlich viele neue Bekanntschaften. So kommt es, dass nicht nur das Leben in der neuen, mittlerweile gar nicht mehr ungewohnten Umgebung mich prägt, sondern ich insbesondere aus den Begegnungen mit den Menschen, die mir in diesem Auslandssemester über den Weg laufen, mich auf ein Stück begleiten oder vielleicht auch für immer in meinem Leben bleiben, einiges über mich selbst lerne. Noch nie habe ich so viel über das Kennenlernen, den Charakter, die Harmonie zwischen zwei Menschen und  wie man sich selbst zwischen diesen ganzen neuen Kontakten fühlt, nachgedacht.

Zugegen, ein Großteil der Begegnungen wird sich wohl auf meine Zeit in Brasilien beschränken. Aber dennoch bin ich immer wieder erstaunt und auch erleichtert, wie schnell sich herauskristallisiert ob und wie gut man mit neuen Bekanntschaften versteht. Und ganz besonders schön ist es dann, wenn es eben nicht nur bei einer Bekanntschaft bleibt, sondern eine Freundschaft entsteht. Und dazu braucht es eben mehr als nur eine Unterhaltung bestehend aus den Fragen: Woher kommst du? Was studierst du? Wie lange bleibst du?

Ich war noch nie jemand, der eine große Gruppe von Freunden braucht, um sich wohlzufühlen. Dennoch habe ich in den vergangenen Monaten hier den ständigen Drang etwas zu unternehmen und freue mich umso mehr, wenn alle Canadenses, Italianos, Franceses, Alemães, Mexicanos & Co. Zeit haben. Genauso wie diese Abende im großen Kreis, die ziemlich häufig in einer balada (Club) enden, genieße ich aber auch die deutlich ruhigeren Nachmittage mit einer Freundin oder einem Freund bei einer Tasse Cappuccino. Schließlich sind es oft die stillen Momente, in denen die besten und bedeutungsvollen Gespräche entstehen. Und ohne solche hätte ich wohl schon längst das Handtuch geworfen und mich verzweifelt gefragt, ob den hier niemand so tickt wie ich. Denn auch auf der anderen Seite des Äquators trifft man auf die großen Fragen, die uns das Leben so stellt. Und genauso trifft man Menschen, die sich diese Fragen stellen. Und wenn man etwas Glück hat, dann trifft man auch jemanden, der mögliche Antworten auf genau diese Fragen liefern kann.

Abraços aus Brasilien, Julia

 

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