Brasil, meu amor

Zeit für einen neuen Statusbericht aus Südamerika. Neun Wochen sollten einem eigentlich genügend Gesprächsstoff liefern. Trotzdem tue ich mich schwer damit, meine Erfahrungen in Worte zu fassen. Das war am Anfang, einige Zeit nach der Ankunft, noch deutlich einfacher. Viel mehr sind mir da noch Unterschiede und Besonderheiten ins Auge gefallen. Ich bin jedes Mal selbst überrascht, wie gut ich mich mittlerweile an meine neue Heimat gewöhnt habe. Das fällt mir insbesondere immer dann auf, wenn ich darüber nachdenke, wie vorsichtig ich anfangs bestimmte Dinge angegangen bin. Wenn im Kopf das Gedankenkarussell rattert: Kann ich um diese Uhrzeit noch zu Fuß in die Stadt laufen?; Stehe ich an der richtigen Bushaltestelle?; Wie halte ich ein achtstündiges Seminar komplett auf Portugiesisch durch?; Wie kann es sein, dass das Seminar mal kurz einen Tag vor Beginn verschoben wird?. Neun Wochen Brasilien lehren einem vor allem eines: Gelassener an Dinge rangehen. Scheint, als hätte ich mich ganz gut eingelebt.

Inzwischen kann ich stolz sagen, dass ich auch meinen ersten Masterkurs (schon fast) erfolgreich absolviert habe. 24 Stunden Content-Produktion und Online-Werbung und mal wieder die schöne Gewissheit, dass ich beruflich den richtigen Weg eingeschlagen habe. Die Unterrichtsweise unterscheidet sich nicht groß von Seminaren in Deutschland, außer dass der Professor gerade einmal zehn Jahre älter ist als wir, mitten im Berufsleben steht und somit authentisch aus der Praxis berichten kann. Noch dazu liefert er uns neben dem normalen Seminarstoff auch noch Inspiration im Sinne der Pflichtlektüre: Auf der Literaturliste steht jedoch keine wissenschaftliche Theorie, sondern ein Klassiker über Web-Usability „Não faça me pensar“ (Don’t make me think) von Steve Krug. Zum Glück sind meine Portugiesischkenntnisse inzwischen so weit fortgeschritten, dass ich etwa 90 Prozent des Gesagten im Seminar auch verstanden habe. Eine ziemliche Erleichterung, wenn man weiß, dass noch sechs weitere Wochenenden mit Blockseminaren auf Portugiesisch auf mich warten. Dabei geht es dann aber unter anderem um Konsumentenverhalten im Internet und Online-Markenbildung. Es bleibt also spannend im wissenschaftlichen Part meines Brasilienabenteurs.

Neben diesen kleinen Erfolgserlebnissen an der Uni werde ich nach wie vor nicht müde, das brasilianische Leben in mich aufzusaugen. Was vor allem bedeutet: viel Essen. Entweder weil unsere Gruppe mal wieder zusammen kocht – bis jetzt gab es bevorzugt viele italienische Spezialitäten, mexikanische Tortillas und natürlich brasilianisches Churrasco (Grillen) – oder wir eines der unzähligen Restaurants hier ausprobieren. Natürlich darf auch das Erkunden von neuen Orten nicht fehlen. So ging es vor eineinhalb Wochen über das Wochenende auf die wunderschöne Ilha do Mel, eine autofreie Insel vor der Küste von Paraná. Inklusive Übernachtung am Strand unter dem Sternenhimmel. Momente wie diesen hat mir Brasilien schon einige geschenkt: Sei es der Sonnenuntergang und der Blick auf die Skyline von Curitiba im Park Bariguí, der unbeschreiblich schöne Blick aus dem Busfenster auf die Berge von Paraná oder ein Tag voller Freude über die tolle Musik auf dem Festival Lollapalooza in São Paulo. Momente wie diese sind es, die mir immer wieder bewusst machen, dass ich mich auch wirklich in Brasilien befinde.

Und wie an jedem Ort der Welt sind es die Menschen, die ihn zu etwas besonderem machen. Ich bin froh, inzwischen meinen Platz zwischen all den neuen Gesichtern gefunden zu haben. Auch wenn natürlich solche neue Freundschaften sich vorrangig erstmal auf einer anderen Ebene befinden als die langjährigen engen Freundschaften aus der Heimat. Da habe ich aber dennoch sehr viel Glück gehabt mit meinen Begegnungen hier. Letztendlich zeigt mir die Entfernung aber einmal mehr, wer die wichtigsten Menschen in meinem Leben sind. Danke dafür, ihr Lieben!

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