Einmal um die Welt bitte!

IMG_4327-kleinWie so viele Städte in Neuseeland hat auch Auckland einen Namen, den die Maori dieser Stadt gaben. Tāmaki Makaurau nannten sie diesen Ort. Übersetzt heißt das Die Stadt der Liebenden. Ehrlich gesagt erschien es mir anfangs schon etwas sarkastisch, war das doch der erste Ort in Neuseeland, den ich betrat und der mich tausende Kilometer von meinen Liebsten trennte.

Denn an einem Freitagabend war ich in einen Flieger in Frankfurt gestiegen, der Regen prasselte gegen die Scheibe und die vielen Lichter spiegelten sich in den Pfützen auf dem Rollfeld. 25 Stunden später, an einem Sonntagmorgen stieg ich auf der anderen Seite der Erdkugel wieder aus, die Sonne schien und mich empfingen angenehme 25 Grad. Es begann der erste Teil meiner Reise. Der eigentliche Grund warum ich hier bin ist das Praktikum, das ich ab Mitte April im Goethe Institut in Wellington machen werde. Davor will ich das Land sehen und noch möglichst viel vom Spätsommer genießen.

Meine ersten Tage verbrachte ich in Auckland, es war ein seltsames Gefühl, denn einerseits fühlte sich alles durch die 12 Stunden Zeitverschiebung und den dadurch bedingten Jetlag an, als würde es an einem vorbeiziehen, andererseits war alles so neu und aufregend, dass ich gar nicht wusste, wie ich meine Gedanken ordnen sollte. Auckland ist zwar die größte Stadt Neuseelands, heißt deshalb aber nicht, dass sie im europäischen Vergleich sonderlich groß ist. Das Zentrum ist geprägt von Geschäften, verspiegelten Hochhäusern und Café-Ketten, die es anscheinend überall auf der Welt gibt. Eigentlich fühlt es sich nicht an, als wäre man auf der anderen Seite der Erdhalbkugel. Bis auf die Kiwi-Kuscheltiere, die die Passanten durch die Ladenfenster betrachten, könnte man irgendwo in Europa durch die Straßen schlendern. Deshalb beschlossen ein paar Mädchen aus dem Hostel und ich bald die Fähre zu nehmen und die umliegenden Inseln und Orte zu erkunden. Am ersten Tag brachte sie uns nach Devenport, eine süßen Stadt auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht. Es gibt viele kleine Geschäfte und Cafés und es fühlte sich hier das erste Mal nach Urlaub an. Vom Gipfel des kleinen Berges dort kann man über ganz Auckland und die vielen kleinen Inseln blicken, die vor tausenden Jahren aus den über 50 Vulkanen entstanden sind, die jetzt friedlich unter der Stadt schlummern.

Schon am nächsten Tag stiegen wir wieder auf die Fähre und genossen die Fahrt zur zwei Stunden entfernten Halbinsel Coromandel. Dort angekommen buchten wir eine Tour ins Landesinnere, die uns tief in den Wald brachte. Auf der Fahrt zogen unzählige Farne und riesige Bäume an uns vorbei und es fühlte sich an als würden wir direkt in den Urwald fahren. Das Ziel der Fahrt war jedoch ein ganz besonderer Wald. Wir fuhren zu den Kauri-Bäumen, den größten Bäumen in Neuseeland. Über 99% fielen den englischen Siedlern und deren Bauwut zum Opfer, jetzt stehen nur noch wenige dieser Baumrießen in den Wäldern Neuseelands. Angeblich wurde der größte und ca. 4000 Jahre alte Baum von Siedlern gefällt und der restliche Baumstumpf wurde als Tanzfläche genutzt.

Es tat gut nach der lauten und hektischen Stadt wieder in der Natur zu sein und so freute ich mich umso mehr, als ich wenige Tage später wieder in ein Flugzeug stieg und nach Christchurch auf die Südinsel flog. Bevor es jedoch in die Weite und Wildnis des Landes ging, erkundete ich die zweitgrößte Stadt Neuseelands. Alles ist noch geprägt vom Erdbeben, das 2011 die komplette Stadt in eine Katastrophe stürzte. Die Kathedrale der Stadt liegt immernoch in Trümmern und erinnert jeden Besucher daran, wie furchtbar der Tag vor fünf Jahren gewesen sein muss. Auch der Rest der Stadt scheint sich noch nicht erholt zu haben, überall wo man hinblickt sieht man Baustellen und abgesperrte Häuser. Dennoch ist diese Stadt geprägt von Optimismus, den ich bewundere. Aus zunächst notdürftig aufgestellten Schiffs-Containern entstand ein bunter Ort voller Geschäfte und Food-Trucks, ein Ort der jeglicher Zerstörung zu trotzen scheint. Auf den vielen Fassaden der leerstehenden Häuser haben sich Künstler verewigt und in fast jeder Straße trifft man auf Kunstinstallationen und bunte Wände. Wenn diese Stadt eins kann, dann ist es nach positiv nach vorne zu blicken. Ich beschloss, dass dies wohl eine der ersten Lektionen sein würde, die ich auf meiner Reise lernen wollte.

Nun steht der zweite Teil meiner Reise an. Nach den Städten geht es jetzt für mich auf einen Roadtrip durch die Natur Neuseelands. Wenn die Wirklichkeit nur zur Hälfte meinen Vorstellungen entspricht, wird es wohl die schönste Autofahrt, die ich je hatte.

Eure SarahIMG_4251-smallIMG_4306 (2)smallIMG_4327-kleinIMG_4343-smallcollage-smallIMG_4394-2small

 

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