Wie ist Dänemark?

Etwa eineinhalb Monate bin ich nun schon in Dänemark. Wie die Zeit doch vergeht, wenn man sich amüsiert. Und wenn man neue Erkenntnisse sammelt. Einige davon möchte ich gerne mit euch teilen.

Die dänische Nationalflagge, genannt „Dannebrog“ (Flagge der Dänen) gibt es schon seit mindestens 700 Jahren. Sie zählt zu den ältesten der Welt.

Die dänische Nationalflagge, genannt „Dannebrog“ (Flagge der Dänen), gibt es schon seit mindestens 700 Jahren. Sie zählt zu den ältesten der Welt.

Dänemark ist locker.

Diesen Satz kann man im Moment noch auf ziemlich viel hier beziehen: Die Uni allem voran  macht einem bisher keinen Stress. Gemäß dem skandinavischen Bildungssystem, das schon seit einiger Zeit in vielen Studien als das beste der Welt bezeichnet wird, arbeiten wir viel in Eigenverantwortung. Allerdings sind hier in meinem Kurs auch wirklich alle motiviert, von den Studenten bis zu den Lehrern, die sich uns immer wieder als Helfer, Problemlöser und Berater anbieten.

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Ein Bild von der Arbeit: Filmen auf dem Aarhus Food Festival. Mehr Infos und Bilder zum Festival gibt es in der Bildergalerie unten.

Lockerheit ist aber auch der Lebensgrundsatz vieler Dänen. Die etwa 5,5 Millionen Menschen hier in Dänemark werden gelegentlich als das glücklichste Volk der Welt bezeichnet. Warum, weiß keiner so genau. Aber neben hohen Löhnen und großer persönlicher Freiheit wird bestimmt auch die verbreitete Einstellung, dass es auf alles schon eine Lösung geben wird, dazu beitragen.

Fun Fact am Rande:

Wenn man in Deutschland mit dem Kopf nickt, um etwas zu bestätigen, atmen die Dänen hörbar ein. Klingt komisch, ist aber recht verbreitet.

Zurück zur Lockerheit: Auch als Medienmacher hat man es hier lockerer als in vielen anderen Ländern. Laut Reporter ohne Grenzen (2015) steht Dänemark weltweit auf Rang drei bei der Frage nach der höchsten Pressefreiheit.

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Ein Beispiel: In Dänemark darf man als Journalist im öffentlichen Raum von jedem Bilder machen. Von dir, von mir, von einem Polizisten im Dienst, vom Typ gegenüber auf der Straße. Einzige Einschränkung ist das Alter: Kinder, also nach dem hiesigen Verständnis alle unter 14, sind zu schützen und somit nicht zu fotografieren. Das ist viel mehr Freiheit als in Deutschland.

Dänemark ist teuer.

Essengehen, Party machen oder schnell mal was kaufen? Dann sage schonmal „Auf Wiedersehen!“ zu allem, was noch auf dem Konto steht. Hier ein paar Beispiele:

Bier (0,4l, das billige) ~ 8€
Cola / Limo (0,5l) ~ 6€
Käse (0,3kg, Edamer / Emmentaler o.Ä.) ~ 6€
Ein einfaches Sandwich in der Uni-Cafeteria ~ 4€
Eine Busfahrt ~ 3€

Ganz besonders teuer sind Fisch, Fleisch und alle Milchprodukte. Wenn man da nicht auf ein Sonderangebot wartet und sich dann reichlich eindeckt, will man vielleicht doch lieber einige Male mehr darauf verzichten. Alles dem Geldbeutel zuliebe.

Das einzige wirkliche Billige in Dänemark ist der Sprit: Ein Liter 95er-Benzin kostet 1,29€ bis 1,33€ an den günstigen Tankautomaten (man zahlt per Karte und es gibt keine Angestellten mehr). Allerdings dürfen hier die Preise noch beliebig oft am Tag geändert werden und man sollte sich entsprechend eher den frühen Morgen oder späten Abend zum Tanken aussuchen.

Dänemark ist eigen.

Das wird hauptsächlich durch die Wesensart der Dänen bestimmt. Die sind, nun ja, dänisch eben; das lässt sich schwer mit irgendeiner anderen Nationalität vergleichen. Als Fremder und zudem als Ausländer, der die Sprache nicht kann, treten die Dänen einem zunächst einmal distanziert gegenüber. Das tun sie auch untereinander – auf der Straße wird nicht gegrüßt, man geht sehr geschäftlich miteinander um etc – aber das soll keine Unfreundlichkeit sein. Vielmehr ein Zeichen, dass man gerade einfach nichts voneinander will oder braucht.

Zu dem kommt gegenüber Leuten wie mir eine gewisse Vorsicht oder Unverbundenheit hinzu. Ich bin schließlich kein fester Teil der dänischen Gemeinschaft. (Vielleicht wirkt da auch mit, dass ich als dunkelhaariger Kerl mit braunen Augen nicht so recht in das hiesige Bild passe.)

Trotzdem sind die Dänen auch immer neugierig: Wer man ist, woher man kommt, warum man hier ist und so weiter. Und wenn man erst einmal im Gespräch ist, kommen viele auch in´s Erzählen. Womöglich passt hier das alte Motto „Harte Schale, weicher Kern“ ganz gut, obwohl ich natürlich nicht pauschalisieren möchte.

Eigen sind Dänen aber auch in manchen Gebräuchen. Fast jeden Tag wird Kuchen gegessen, die Uni-Cafeteria hat regelmäßig eine große Auswahl an süßem Gebäck für die Kaffeezeit (die hier gegen drei Uhr ist). Ein sehr großer Teil der Leute macht aktiv Sport, das ist hier viel verbreiteter als in Deutschland. So zurückhaltend sie normal sind, so rasant sind die Dänen im Straßenverkehr:

Häufig zu sehen: doppelt rote Ampeln. Den Grund konnte bisher niemand nennen.

Häufig zu sehen: doppelt rote Ampeln. Den Grund konnte bisher niemand nennen.

Geschwindigkeitsbegrenzungen werden meist nur als nette Vorschläge gesehen, den Blinker hat noch kaum ein Däne je bedient und die Hupe ist vor allem an roten Ampeln ein gern genutztes Instrument zum Zeitvertreib. Man glaubt wirklich, die dänische Vergangenheit der Wikinger auf Schlachtschiffen aufleben zu spüren.
Dafür hat jede Kreuzung massenhaft Ampeln, um alles abzusichern: Eine tiefe, eine hohe, eine rechts, eine links, eine auf der anderen Straßenseite, vielleicht noch eine über der Kreuzung hängend, dasselbe nochmal für die Abbiegespuren, zusätzlich Ampeln für die Fahrradstreifen, dann die für Fußgänger, … Es blinkt nur so fröhlich vor sich hin.

Noch etwas, wo Dänemark (oder zumindest Aarhus) eigen ist, ist das Wetter. Wenn man morgens aufsteht und sieht, dass dicke Wolken am Himmel hängen, brauch man sich noch nicht zu ärgern: Es wird an diesem Tag bestimmt noch ein paar Mal sonnig mit blauem Himmel werden. Der Nachteil: Es wird bestimmt auch noch ein paar Mal regnen, ein paar Mal wolkenverhangen sein und vielleicht sogar einmal donnern. Fragen wie „Sollen wir heute Abend am Strand grillen?“ werden da schon einmal zur großen Herausforderung.

Immer wieder ein Erlebnis: Grillen am Strand

Immer wieder ein Erlebnis: Grillen am Strand

Der letzte Punkt, der mir als besondere Eigenheit bisher aufgefallen ist: Die Dänische Sprache. Man kann sie lesen und halbwegs verstehen oder man kann sie hören und nur noch fragend dastehen. Was auf dem Papier steht, unterscheidet sich stark von dem, was aus dem Mund der Dänen kommt und das macht es nicht gerade einfach.

Geschrieben: Jeg hedder Lucas og jeg er tyve år gammel.
(Ich heiße Lucas und ich bin zwanzig Jahre alt.)
Gesprochen: Ja hiððer Lucas ou jaa tiu o gämmel. (Zumindest ungefähr)

Besonders tückisch ist das „weiche d“ wie in hedder. Man macht sich im Prinzip mit der Zunge auf den Weg für ein normales d, stoppt aber früher und lässt einen Laut ähnlich wie ein l entstehen.
Aber auch generell: Für die dänische Aussprache gibt es eigentlich keine Regeln. Deshalb sagen nicht wenige Menschen: Dänisch zählt zu den schwersten Sprachen der Welt.

Um allen Ausländern trotzdem die totale Verzweiflung zu ersparen, gibt es in Dänemark etwas ganz Besonderes: Riesige, staatseigene Sprachschulen, super modern, und vor allem – kostenlos! Jeder Ausländer in Dänemark hat das Recht auf ein Jahr kostenlosen Sprachunterricht. Wenn man danach eine Prüfung erfolgreich absolviert, hat man sogar nochmal drei weitere Jahre frei.

Ich nutze das Angebot auch und gehe jetzt während meines Auslandssemesters immer zweimal die Woche in den Dänischunterricht. Vielleicht bringt es noch nicht ganz so viel auf diese kurze Zeit, aber es macht Spaß. Und eröffnet einem die Möglichkeit, die Sprache endlich einmal etwas zu verstehen. Also: Jeg hedder Lucas, hvad hedder du?

So oder so ein Vergnügen

Dänemark hat seine Vor- & Nachteile und einiges, was dazwischen liegt. Welche Eindrücke da überwiegen, hängt wohl stark von den persönlichen Erlebnissen und Einschätzungen ab. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich sehr gerne hier bin. Ich habe Spaß, ich lerne viel, ich komme mit den Gegebenheiten sehr gut zurecht, … Ich kann es nur weiterempfehlen.

An meine Studienkameraden in aller Welt und alle Leser zuhause alles Gute und venlig hilsen – beste Grüße!

Lucas

Hier noch einige Bilder:

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Ein Blick über Aarhus vom Dach des ehemaligen Bahnhofs Godsbanen aus.

Das Motto des Food Festivals. Drei Tage lang gab es alle möglichen Speisen und Getränke zum Probieren.

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Eine Innovation auf dem Aarhus Food Festival: Kaviar aus Seegras. Meine Erfahrung: Schmeckt scheußlich bitter und wie abgelaufener Fisch.

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Auch vom Food Festival: Fisch-Vanilleeis. Gewöhnungsbedürftig, aber ganz ok.

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Gutes Wetter = Strand !

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Mit Freifallturm und Riesenrad: Der Abenteuerpark Tivoli Friheden ist teuer, aber auch beliebt. Bekannt ist er für kostenlose Auftritte internationaler Stars.

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Karibik-Ansichten: So kann schönes Wetter an der dänischen Ostküste aussehen.

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