Uganda – Ein Land der Gegensätze

Shoppingcenter so groß wie ägyptische Tempel und Wolkenkratzer aus Glas. Verstaubte Wellblechhütten und Kinder mit zerlumpten Kleidern, die sich mit Plastikflaschen und alten Reifen barfuß durch Bretterhaufen jagen. Europäische Oasen des Luxus neben wackeligen Schabracken der Armut. Keine Erfahrung, die ich hier mache, gleicht der anderen. Während wohlhabende Einheimische die Hälfte ihres Essens zurück gehen lassen, zerstört die Stadtverwaltung Unterkünfte von mehr als 50 Menschen, weil ihre Hütten nicht ins Stadtbild passen. Für mich eine unfassbare Tat der Unmenschlichkeit, für die Menschen hier Alltag.

Unser Haus ist in Campus-Nähe und liegt in einer sehr belebten Straße. Bis spät in die Nacht werden hier örtliche Spezialitäten wie Rolex, Chapati und Samosa verkauft, w11999722_960562647320170_2030416499692489413_oährend die Bassbox aus dem Elektroladen von nebenan uns in den Schlaf summt. Am Anfang waren wir mit den vielen Sicherheitsvorkehrungen rund ums Haus überfordert und fühlten uns unwohl in einem so guten Haus zu residieren. Wir haben Strom, fließend Warmwasser, eine Küche und jeder ein eigenes Zimmer. Mittlerweile fühlen wir uns hier richtig heimisch. Die Leute aus unserer Straße grüßen uns und lächeln uns zu, die Kinder winken und rufen freudig „Musungu, Musungu!“.

Doch als wir letzten Donnerstag von der Uni nachhause gekommen sind war alles anders…

Überall lagen zerborstene Holzbretter, zerklüftete Stofffetzen und Glasscherben. Viele bekannte Gesichter waren nicht mehr dort, andere suchten in den Trümmern ihrer Verkaufsstände und Unterkünfte nach Brauchbarem. Als ich die Menschen rund um das Geschehen nach der Ursache dieser Verwüstung gefragt habe, haben sie nur verhalten gelacht und den Kopf geschüttelt. Nach intensiverem Nachfragen erklärten sie mir, dass die Stadtverwaltung KCCA immer mal wieder die Stadt säubert und deshalbhäuserzerstört1 unbefestigte Hütten und Straßenstände entfernt. Insgesamt haben sie in unserer Straße über zehn Hütten zerstört. Die Menschen waren traurig und aufgebracht. Sie meinten, dass sie nicht einmal informiert worden wären. „This is Uganda!“, antworteten manche mir, als ich ihnen meine Fassungslosigkeit darüber aussprach. Später habe ich mit einheimischen Studenten darüber unterhalten und bin eher auf Verständnis für das Vorgehen von KCCA gestoßen. KCCA wolle die Stadt schöner machen, Menschen nicht in schlechten Verhältnissen leben lassen und sie würden den Betroffenen frühzeitig Bescheid geben, damit sie ihre Sachen davor aus den Hütten entfernen können. Egal wie es in unserer Straßen abgelaufen ist, ich bin schockiert wie normal dieser Vorfall für die Menschen hier zu sein scheint. Als Grund für die momentanen „Säuberungsaktionen“ sei der bevorstehende Papstbesuch, sagte mir eine Studentin. Ich habe lange darüber nachgedacht und bin immer wieder zu dem Entschluss gekommen, dass das Vorgehen von KCCA, egal vor welchem Hintergrund, unmenschlich und nicht zielführend ist. Ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Die Trümmer der Hütten hat KCCA bisher nicht weggebracht, mittlerweile sind daraus sogar schon wieder neue Verkaufsstände entstanden.

Zurück zur Uni, für die wir ja eigentlich hier sind.

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Hauptgebäude der Uni

Wir sind jetzt seid über zwei Wochen in Kampala und kennen uns auch auf dem großflächigen Campus schon recht gut aus.

Die Veranstaltungen der Uni waren waren bisher noch nicht sehr ergiebig, erst haben Mitarbeiter der Uni gestreikt, dann waren Dozenten nicht rechtzeitig aus ihrem Urlaub zurück. Doch nach fast zwei Wochen haben wir unsere Stundenpläne und eine vorläufige Student-ID. Manchmal kommen die Dozenten zu ihren Vorlesungen, doch selbst dann verstehen wir den afrikanischen Akzent ab und zu nicht. Die Kommilitonen sind nett, hilfsbereit und meistens sehr interessiert an uns. Jeder will schon nach 30 Sekunden Smalltalk dein bester Freund sein. Wir haben uns einige Abwehrstrategien einfallen lassen, um nicht jedem unsere Handynummer aushändigen zu müssen. Von falschen Nummern, über Probleme mit dem Anbieter, bis zu „mein Handy geht nur in Deutschland“.

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Gemeinschaftsküche in einem Studenten-Hostel

Wenn man die „Smalltalk“-Stufe aber einmal überschritten hat, bekommt man die ugandische Großzügigkeit in vollen Ausmaß zu spüren. Wir wurden schon afrikanisch bekocht und zum Essen eingeladen. Es ist ein seltsames Gefühl von Menschen bekocht und beschenkt zu werden, die nicht mal eine Dusche oder eine richtige Küche in ihrer Unterkunft haben und deren Monatsbudget von unseren täglichen Ausgaben gedeckt wird. Widerrede ist zwecklos, revanchieren darf man sich aber Gott sei Dank.

In unserer Freizeit spielen wir viel Billard und Basketball. Anfangs haben wir versucht uns Equipment für unsere sportlichen Aktivitäten auszuleihen, sind aber an schlafende Sekretärinnen im Sports Departement gescheitert, mittlerweile haben wir uns einen eigenen Ball gekauft. Den Rest der Zeit betreiben wir den ugandischen Volkssport „Chillen“. Chillen kann immer ausgeübt werden, zu jeder Tageszeit an jedem Ort. Einziges Ziel ist das Zeit-totschlagen. Manchmal haben wir sogar das Gefühl manche Menschen chillen so viel, dass sie sogar in Zeitlupe laufen.

Mittlerweile habe ich mich auch an das Klima gewöhnt. Die feuchte Luft hier sorgt für ein permanentes Gefühl der Hitze und für plötzlich einsetzende Regengüsse. Regen ist hier wie eine Pause für alles. Bis es vorbei ist wird gechillt.

Alles in allem habe ich bis jetzt eine aufregende Zeit und freue mich auf alles was noch kommt.

Liebe Grüße aus Uganda.

Euer Felix

Blick von unserem Balkon am Abend.

Blick von unserem Balkon am Abend.

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