Malmö für Anfänger

So ihr Lieben,

und schon ist die zweite Woche in Malmö vorbei. Wenn man von morgens bis abends mit dem Introduction-Programm des Erasmus Student Network (ESN) beschäftigt ist, dann geht das auch ziemlich schnell. „Introduction“ triffts aber eigentlich nur so halb: Klar, ich hab jetzt so ziemlich alles, was man an einer Uni so braucht, einmal mitgemacht: Buch suchen, Buch finden, Buch ausleihen, Räume suchen, Räume finden, welches Gebäude heißt eigentlich wie, wo muss ich für welche Aktivitäten Mitglied sein und so weiter. Außerdem bin ich jetzt rundum informiert über das schwedische Schulsystem, das Universitätssystem, das Benotungssystem und hatte einen Crashkurs in schwedischer Geschichte und Politik. (Ich hätte mich vorher nicht so gut einlesen sollen!) ABER Introduction-Programm heißt auch Games, Walking Tours, Pub Tours (!), Bus Tours und eine „Fika“ mit dem Bürgermeister von Malmö. War ungefähr so posh wie es klingt und hätte dementsprechend tolle Bilder abgegeben, wenn in dem Moment nicht mein Handyakku den Geist aufgegeben hätte. Aber lasst euch gesagt sein, der Lachs war phänomenal!

Gleich danach gings weiter auf den letzten Abend des Malmö Festivalen mit einem Konzert von Zara Larsson auf dem Rathausplatz: Überdurchschnittlich viele 12-jährige Kiddies mit zu kurzen Hotpants und bauchfrei, die sämtliche Songs auswendig können, da fühlt man sich ein bisschen alt. Aber die Musik war soweit ganz in Ordnung und wir hatten jede Menge Spaß 🙂

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Am Wochenende habe ich mir dann ein Fahrrad gekauft. 100 Euro, und dann nicht einmal Licht oder Schloss dabei. Also insgesamt 160 Euro (!), ich habe ehrlich gesagt ganz schön mit den Zähnen geknirscht, aber das ist immer noch deutlich weniger als jeden Tag mit dem Bus zu fahren. Und abgesehen davon auch unabhängiger (ich sage nur Pub-Tour). Kurz danach hat mich auch schon die deutsche Bürokratie wieder eingeholt: Ein Brief von der GEZ für meinen Hauptwohnsitz bei meinen Eltern… Als ob die nicht wüssten dass in dem Haushalt schon jemand Gebühren bezahlt, und abgesehen davon habe ich ja nur mehrmals gesagt, dass ich nicht nur aus Eichstätt wegziehe, sondern gleich aus Deutschland. Und auch mein Handy-Vertrag kann nur stillgelegt werden, wenn ich eine Bestätigung von der Uni in Malmö einreiche. Herrje… Memo fürs nächste Mal: Nach Möglichkeit einfach alles kündigen und nur noch Prepaid über Aldi-Talk!

Dafür habe ich endlich herausgefunden wie und wo ich meine schwedische Simkarte aufladen kann, wie ich nachschauen kann wie viel Guthaben noch drauf ist und das Wichtigste: Sie funktioniert einwandfrei. Yeah! Am Tag von unserer „The other side of Malmö“-Tour hat es dann auch zum erstem Mal geregnet. Es ist echt der Wahnsinn, wie abartig schnell hier das Wetter wechselt, von Sonnenschein zu Nieselregen zu Starkregen und wieder zurück innerhalb von 90 Minuten etwa. Beim Meeting Point bin ich also schniefend und tropfend aufgetaucht, irgendwo zwischen verzweifelt und angepisst. Einziger Kommentar der Einheimischen: „Ja, das ist halt Malmö“. Mit einem straaaaaahlenden Lächeln im Gesicht. So nett, dass ich schon gar nicht mehr böse sein konnte. Eine Stunde später hatten wir ja sowieso wieder Sonnenschein. Seitdem habe ich meistens eine trockene Jeans zum Wechseln dabei und denke ganz ernsthaft darüber nach, mir ein Regencape zu organisieren.

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„The other side of Malmö“ befindet sich hauptsächlich fünf bis zwanzig Gehminunten von meiner Wohnung entfernt und besteht aus ein paar Einrichtungen, die man wohl am Besten mit den Jugendzentren und Volkshochschulen in Deutschland vergleichen kann. Aber in Schweden ist das viel beliebter als bei uns, und auch die Jugendzentren haben nicht diesen „da sind ja eh nur Problemkinder“-Ruf wie das zum Beispiel bei mir zuhause immer war. Außerdem kann in Schweden jeder einen Antrag beim Staat einreichen, um finanzielle Förderung für ein Projekt zu bekommen. Projekte wie zum Beispiel drei oder vier Freunde wollen Gitarre spielen lernen und brauchen Noten, oder eine Nachwuchsband braucht einen Probenraum oder ein Fotografie-Club will zu einer bestimmten Ausstellung fahren. Wird fast immer bewilligt! Ich kanns irgendwie immer noch nicht so ganz glauben. Die meisten Veranstaltungen in der VHS sind auf Schwedisch, deswegen werde ich da so schnell noch nicht hingehen (schade, die hätten auch Filmkurse), aber das JUZ ist ein bisschen mehr international (Fotografie ich komme). Außerdem gibt es dort die „bike-kitchen“, da kann man sein Fahrrad selbst reparieren oder sich dabei helfen lassen, für einen Bruchteil von dem, was ein Fachgeschäft verlangt.

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Wieder zurück in der Uni muss ich erstmal meine Multicard als Bibliotheksausweis freischalten. Ziemlich merkwürdig, weil auf der Multicard so ziemlich alles von mit gespeichert ist (Hello Big Brother), aber um Bücher ausleihen zu können, wollen sie nochmal alles einzeln wissen. Feststellung: Ein bisschen deutsch sind wir doch alle. Nicht ganz so deutsch sind die Literaturlisten. Ja ich habe die Email gekriegt und gelesen, naja, Literaturlisten gabs in Eichstätt auch immer, also habe ich die vier Bücher mal schön unter „who the fuck cares“ abgespeichert und schön ignoriert. Bis mir dann jemand mitgeteilt hat, dass ich die besser haben sollte. Nicht gut. Drei davon sind ausgeliehen, die habe ich also vorgemerkt für den 09. September, eines kann ich ausleihen. Allerdings zeigt es im Online-Katalog die Nummer vom Standort nicht an, das heißt ich darf das Buch in etwa 13 gut gefüllten Regalen aufspüren. Die Amazon-Suche war auch nicht besser: In Deutschland sind die Bücher unbezahlbar, in Amerika total günstig, dafür kostet das Porto 50 Euro und hat Lieferzeit bis mindestens Ende September. Ups. Ich hoffe mal, dass die Bücher nur so semi-wichtig sind! Okay, die Literaturliste für den Kurs ab November habe ich sicherheitshalber gleich mal abgecheckt 🙂

Yvonne habe ich diese Woche genau zweimal gesehen, sonst war sie noch im Bett als ich zur Uni bin und bis ich zuhause war, war sie schon in der Arbeit. Und um halb eins war dann ich irgendwann mal schlafen. Aber immerhin hat sie mich „kochen“ gesehen (Rührei mit Speck, wuuhuu), jetzt ist sie glücklich und macht sich wenigstens nicht mehr so viele Sorgen um meine (kalte) Ernährung. Nach der Pub-Tour war ich tatsächlich einmal später daheim als sie. Das Student Pub ist eigentlich wie die Theke in Eichstätt: Günstig, überschaubar und macht um eins zu. ABER: in Malmö kann man auch nach eins an Orten feiern, die nicht Nachtwächter heißen 🙂 Das ist definitiv besser als Eichstätt!

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Das waren eigentlich die wichtigsten Neuigkeiten und ein bisschen Klatsch. Den pädagogisch wertvolleren Beitrag über Ystad (Kommissar Wallander), Kåseberga (berühmt für geräucherten Fisch) und Ale Steinar (Mini-Stonehenge) gibt es im Lauf der nächsten Woche!

Bis dahin viele Grüße aus dem mittlerweile nicht mehr ganz so sonnigen Schweden

Elke

 

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