Was bleibt?!

Was bleibt ?!

Mein Auslandssemester ist abgeschlossen. Die Noten sind da, morgen habe ich einen Termin an der Uni zwecks der Anrechnung. Lille ist passé.Was bleibt also von den 4 Monaten in Frankreich?

Ich verteidige Ausländer.

Wenn auch irgendjemand ein schlechtes Wort über Ausländer sagt, könnte ich ausrasten. „Was, der ist schon 10 Jahre hier und kann immer noch nicht gescheit deutsch?“ – Ja, denk ich mir, geh du mal ins Ausland und lerne eine neue Kultur und Sprache (!), das ist nicht so einfach wie man sich das vorstellt! Wenn man selbst mal der Ausländer war, sieht man das ganze aus einer ganz anderen Perspektive und reagiert viel sensibler. Vor allem in Tagen der Flüchtlingsthematik fehlt es Deutschland vor allem an Toleranz und Verständnis.

Ich verteidige Frankreich.

Ja, ich bin ein sehr solidarischer Mensch. Frankreich ist ein Teil meines Lebens geworden. Die Franzosen sind nicht einfach, aber das sind wir auch nicht. Wir sind uns sogar ähnlicher, als man vermuten möchte. Frankreich hat eine tolle Kultur, die schönste Sprache der Welt, und wenn man sich Mühe gibt, wird man akzeptiert und integriert.

Ich liebe meine Holländerin Gerdy!

Gerdien van Breugel. Ich konnte ihren Namen nicht aussprechen, deswegen hat sie gleich in der ersten Minute unserer Begegnung einen Spitznamen verpasst bekommen. Diese Frau ist meine beste Freundin geworden, ohne sie wäre es niemals so eine tolle Zeit geworden. „Tout le monde parle de Gerdien et Steffi“ – hieß es am Ende unseres Semesters von der Verantwortlichen für die Internationals. Erst jetzt haben wir beide kapiert, dass das das größte Lob überhaupt ist. Wir haben es geschafft, uns zu integrieren, zu Geburtstagspartys eingeladen zu werden, und morgens mit einem „Ca va?“ begrüßt zu werden. Dass das wirklich eine Leistung ist, wurde mir auch auf den Philippinen klar. Als ich dort eine Freundin von Lara kennengelert habe, die aus Frankreich kommt, habe ich ihr erzählt dass ich die letzten Monate in Lille gelebt habe. Erste Reaktion: mitleidiger Blick und der Kommentar: Oh mein Gott, hast du denn Freunde gefunden?!

Ich habe eine ganz neue Seite an mir kennengelernt.

In der Ecke sitzen und einfach nur zuhören. Anfang September hat die Uni angefangen, Ende Oktober habe ich mich das erste mal gemeldet. Die wackeligen Sprachkenntnisse haben mein Wesen scheinbar verändert. Ich war auf einmal nicht mehr die selbstbewusste, fröhliche und engagierte Steffi Bauer, sondern die Erasmus-Studentin Stéphi die irgendwie nicht so recht ausdrücken konnte, was sie will. Das geile ist aber, festzustellen, dass es besser wird. Ich war stolz wie in der 1.Klasse beim HSK-Unterricht, wo man etwas superschlaues gesagt hat, als ich mich das erste mal gemeldet habe. Dass ich mit meinen knapp 23 Jahren noch einmal in diese Gefühlswelt eintauchen würde, hätte ich auch nicht gedacht.

Die Welt ist klein.

Nur ein Beispiel: Mein Soziologie-Prof erzählt von Deutschland, spricht mich an. Ob ich in München schon mal am Max-Weber-Platz war. Na klar war ich das. Er wäre dort auch schon mal gewesen. Und an einem anderen Ort in Deutschland, den würde ich aber bestimmt nicht kennen. Der sei ganz klein, mit ganz vielen Kirchen. Und Kopfsteinpflaster. In der Nähe von dieser Audi-Stadt. Alles klar.

Ich weiß jetzt über Marketing und PR bescheid.

Nicht umsonst komme ich erst jetzt zum Punkt Uni. Klar, ich habe viel gelernt, kann jetzt ordentlich französisch und weiß was über die Cash-Cow und Pressemitteilungen. Alles gut. Aber um das geht’s eigentlich nur an zweiter, dritter … nicht erster Stelle. Die Menschen, die Erlebnisse, das Land, die Mentalität, DAS färbt ab. Nicht der Kurs „Management et Ressources humaines“.

Ich rate jedem, ins Ausland zu gehen.

Einfach auch um festzustellen, dass es daheim doch nicht so kacke ist, und dass wir es verdammt nochmal richtig gut in Deutschland haben.

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