Mein Mexiko

Vier Monate in Mexiko. Vier Monate ohne einen Blogeintrag. “Wann schreibst du denn endlich mal was?“, „Lass auch mal was von dir hören!“ Wahrscheinlich habe ich mich an die mexikanische Lässigkeit gewöhnt: mach ich’s heut nicht, mach ich’s morgen. Oder gar nicht. Außer wenn’s um die Miete geht. Vielleicht war ich auch einfach nur faul . Manchmal wollte ich auch wirklich etwas schreiben, aber ich wusste nicht, wo ich anfangen soll oder wie ich meine Eindrücke sortieren soll.

Jetzt nach 4 Monaten weiß ich’s immer noch nicht. Aber ich weiß, dass Mexiko ein unglaubliches Land ist.
Mexiko ist nicht das Mexiko, dass man aus den Medien kennt. Auf jeden Fall nicht für mich. Klar, was momentan in der Politik vor sich geht, ist furchtbar. Die Staatsgewalt, die Korruption, unfassbar. Aber die „normalen“ Menschen hier sehen das genauso. Auch wenn sie zugeben, dass sie da auch mitmachen. Manchmal ist es eben einfacher, die Polizisten zu bezahlen, als sich einen Parkplatz außerhalb des Halteverbots zu suchen.
Für mich ist Mexiko aber viel mehr geworden. Zum Beispiel zu jeder Tageszeit Tacos essen. Das Essen nicht würzig, aber scharf. An alles kommt Limone und Salsa. Auch ins Bier. Frisch gepresste Säfte und Avocados auf der Straße. Aber keine Burritos, die sind eine amerikanische Erfindung. Mexiko ist immer Livemusik in Restaurants, Mariachis in ihren traditionellen Outfits. So laut, dass man sich nicht mehr unterhalten kann. Mexiko ist, alle stehen während dem Essen auf und tanzen. Eigentlich Tanzen überall. Mezcal statt Tequila. Getrocknete Heuschrecken und Würmer als Snack. Mexiko ist, innerhalb einer Stunde gefühlt durch verschiedene Vegetationen und Klimazonen zu fahren. Unglaubliche Landschaften. An jedem Wochenende in andere Städte, an Seen oder Strände. Viel zu viel, um alles zu sehen.
Mexiko ist unfassbarer Smog über der Hauptstadt. Platzregen. Stau auch mitten in der Nacht. Polizisten mit Maschinengewehren auf der Straße. Mexiko ist überfüllte U-Bahnen. Und angegrabscht werden, schafft man es mal nicht ins Frauenabteil. Mexiko ist als Weiße überall angestarrt und angemacht zu werden. Einen Stalker haben, der mit Rosen vor dem Supermarkt wartet und dich heiraten will. Keinen Eintritt bezahlen zu müssen.
Mexiko ist Deutschland lieben. Die hübschesten Mädchen. Die besten Autos, Volkswagen. Tokio Hotel. Die Fußballweltmeister, Götze. Aber auch Bücher über Hitler in der U-Bahn. Mexiko ist Mitbewohner haben, die ihr Geld mit Möbeln verdienen. Mexiko ist, dass die Stühle jedes Mal zusammenkrachen wenn man sich drauf setzt. Mexiko ist alle Männer haben zu viel Gel in den Haaren. Frauen benutzen Löffel als Wimpernzangen.
Mexiko ist seine Taxifahrer und Taxis. Egal in welcher Stadt. Meistens freundlich, manchmal etwas mürrisch. Aber immer wollen sie dich abziehen. Entweder durch Umwege oder durch zu hohe Preise. Manchmal werden die Autos mit Kabeln gestartet. Manchmal fehlt eine Scheibe oder der Beifahrersitz. Niemals Gurte. Dafür Rauchen im Taxi. Lebensgeschichten erzählen. „Bienvenido a México“.
Mexiko ist auch der krasse Unterschied zwischen arm und reich. Eine Mittelschicht gibt es kaum. Mit Chauffeur zur Uni fahren oder in überfüllten Bussen, aus denen die Leute fast rausfallen. Sich beim Frühstück im Café die Schuhe putzen lassen. Mexiko ist Starbucks-Security neben Straßenverkäufern. Abends um 11 barfüßige Kinder, die Marmelade an Männer in Designer-Anzügen verkaufen. An jeder Ecke ein 7eleven, vor dem Obdachlose schlafen. Mexiko ist ein Wochenendhaus haben, oder gar keins.
Mexiko ist „wenn man Hilfe braucht, ruft man als letztes die Polizei.“ Von Polizeisirenen aufwachen. Mexiko ist, wenn die Putzfrau Besteck oder das Bügeleisen klaut. Überhaupt eine Putzfrau zu haben als Student. Müll und Plastikberge an den Straßen. Straßenhunde und überall WLAN haben.
Mexiko ist aber auch, stolz auf sein Land sein. Auf die Geschichte, den Kampf um die Unabhängigkeit. Die Kultur, die Musik und das Essen, das übrigens als Weltkulturerbe gilt. Die Familie und Religiosität. Trotz allem glücklich sein, mit dem was man hat. Gelassener, hilfsbereiter, offener. „Wie gefällt dir Mexiko? Wo warst du schon überall? Wenn du willst, fahr ich mit dir hin.“
Mexiko ist so viel, aber nicht einfach zu erklären. Es ist nicht nur Sombreros tragen, wunderschöne Strände und billige Drogen. Einen Monat hab ich nun noch zum Reisen, danach geht es zurück nach Deutschland. Ich bin froh, dass ich das alles hier selbst erleben konnte, denn Mexiko ist nicht einfach zu beschreiben. Mexiko ist einfach Mexiko.
Von Lea Kulakow
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3 Gedanken zu “Mein Mexiko

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