Die Sache mit dem Abschied

von Luisa Casci (Memphis,TN, USA)

Kurz vor Ende des Semesters fällt mir auf: ich bin eine elende Pessimistin!

Vielleicht hab ich in meinem letzten Blogeintrag mein Leben hier in Memphis ein bisschen zu sehr schwarz-weiß gemalt. Ich wusste einfach nicht wirklich, ob es mir jetzt hier gefällt oder nicht und habe fast nur Schlechtes rausgegriffen. Die Stadt finde ich immer noch relativ hässlich, aber die Leute, die ich hier kennen gelernt habe, haben die Zeit in Memphis unvergesslich gemacht.

Es ist schon komisch wenn man irgendwo ankommt wo man noch nie in seinem Leben war und dort fünf Monate lang zurechtkommen muss, egal was passiert. Weit weg von Familie, Freunde und gutem Bier. Ok, denkt man sich, das ist es jetzt wohl, egal ob es mir gefällt oder nicht.

Am Anfang ist alles neu, aufregend, anders! Wie ziehen die sich denn an? Bah, sowas isst man hier? Krass, so viele fette Menschen, ich muss dringend ins Fitness! Wie soll ich jemals bei so vielen Hausarbeiten und Prüfungen ein Sozialleben haben? Hilfe, mein Zimmer sieht aus wie eine Gefängniszelle!

So viel wie möglich in kurzer Zeit erleben. Freunde finden. Oder auch nur jemanden, der mich zum Supermarkt fährt. Praktisch denken. Nicht an Deutschland denken. Nicht an das Essen von Mama denken wenn die Freunde vorschlagen schon wieder zu CiCi’s Pizza zu gehen. Hab Spaß! Laser Tag spielen, Graceland besuchen, bei Minusgraden campen gehen, Bier trinken, wandern, fischen, mitten im Nirgendwo Truck fahren, Wochenendtrips planen, Footballspiele besuchen, auf Partys gehen.

Und dann hat es sich plötzlich mittendrin irgendwo eingeschlichen. Dieses komische Gefühl wenn ich daran denke, dass ich bald wieder nach Hause fliege. Ein kleines bisschen Vorfreude. Aber ganz viel Undefiniertes. Ich will mehr. Mehr Wandern gehen im flachen Arkansas, mehr Trinkabende am Lagerfeuer, mehr Zeit verbringen mit meinen Freunden, ihnen erklären was das tolle an Glühwein ist. Hot wine? Sounds disgusting!

Ich will plötzlich eigentlich nicht wirklich gehen. Natürlich vermisse ich Freunde, Familie, die Berge, Radler und Brezen mit Obazda, aber es ist ein aushaltbares Vermissen. Dieses Gefühl…warum ausgerechnet jetzt?

Viel mehr Amerikaner reden mit mir als am Anfang, fangen einfach Gespräche an. Was, so bald fährst du schon wieder? Aber ich wollte dir doch noch die coolen Cafés in Midtown zeigen, mit dir zu einem Grizzlies-Spiel gehen! Warum haben wir uns nicht früher kennen gelernt? That’s too bad, girl!

Wie soll ich mein ganzes Leben hier in einen Koffer packen und mitnehmen? Ein paar Souvenirs, über 1000 Fotos, und Erinnerungen. Mehr passt nicht. Und doch ist es noch mehr. Ich habe mich verändert während meiner Zeit hier, und zwar nicht nur ein bisschen. Ich fühle mich so anders als am Anfang. Ich habe jetzt schon wieder Fernweh nach Orten an denen ich noch nie war. Mache mir schon Pläne für Auslandspraktika und Masterstudien im Ausland.

Aber erst mal die letzte Woche genießen. Man soll doch aufhören wenn es am schönsten ist… oder?

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