It’s More Fun in the Philippines! Isn’t it?

Vor sechs Wochen bin ich in Manila auf den Philippinen angekommen. Hier sein ist inzwischen normal geworden. Was ich davon halte, weiß ich noch nicht.
Deswegen schiebe ich seit sechs Wochen meine Artikel auf später. Es gibt so viel zu erzählen, die Zeit schleicht und rast gleichzeitig. Immer, wenn ich gerade erst ein Gefühl für den Ort bekomme, an dem ich mich befinde, habe ich ihn schon wieder verlassen. Ich bin verwirrt und ich habe keine Zeit. Stattdessen habe ich erstmal Grippe und schwänze die Uni, was mir dann doch irgendwie Zeit verschafft – also, no more excuses. Ich rekapituliere die ersten vier Wochen:

WELCOME TO THE PHILIPPINES!

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Es ist der Abend des 7. Oktobers, viele Abschiede und zwei Flüge liegen hinter mir. Ich hab keine Lust auf Neues, ich habe Lust auf ein Bett. Aber schon der Flughafen ist anders. Der Putz bröckelt von den Wänden, die Stromleitungen liegen teilweise frei und der Boden ist mit einem schäbigen blauen Teppich ausgelegt. Alles ist voll mit Menschen, die ihre diversen Körperteile an meine weiße Haut pressen und mich anstarren, als käme ich von einem anderen Planeten. Eineinhalb Stunden stehe ich in der Schlange, bis ich endlich an einem der dutzend Schalter Informationen über mich abgeben kann. Nein, ich möchte nicht immigrieren. Nein, ich habe kein Ebola. Nein, Herr Officer, meine Handynummer möchte ich hier nicht aufschreiben. Danke und Have a Nice Day.

Ich ziehe meinen 22Kilo Backpack vom Band, breche unter dem Gewicht fast zusammen – stolper also ein bisschen rum – und lasse mir von den winkenden Schreiern in den Wechselstuben („Pesos here, Mam!“) 55,2 Philippinische Pesos für einen Euro andrehen. Schlechter Kurs – mir egal. Ich muss an die frische Luft. Ich trete aus dem Gebäude und der heiße Smog verschluckt mich und ich mich fast an ihm und meine Laune ist jetzt völlig im Keller. Werde ich hier jemals unbeschwert atmen können?

Wir (meine Kommilitonen Micha und Silvi reisen mit mir) nehmen ein Taxi, um zu unserem Hostel zu kommen. Der Wagen fällt halb auseinander, in Deutschland wäre er schon vor Jahren auf dem Schrottplatz gelandet. Die Taxifahrerin ist Mutter von vier Kindern, frustriert von ihrem Exmann („He is no good man“), ihrem Job und dem Verkehr. Für vier Kilometer stehen wir drei Stunden im Stau. Ich lerne in dieser Zeit: In Manila hält sich wirklich niemand an Verkehrsregeln auf. Kreuz und quer, Widewide, wie es mir gefällt… Bloß nicht stehen bleiben.
Salamat po, so sagt man höflich Danke. Das erklärt uns die Fahrerin, während sie noch einen Umweg macht, damit wir mehr bezahlen müssen. Ein erstes Salamat po und 650 Pesos kostet mich meine Höllenfahrt auf den Straßen Manilas.

Der erste Eindruck: ein trostloses Malate

Das Hostel liegt im Stadtteil Malate, einem ehemaligen Rotlichtviertel. Seit Prostitution hier verboten ist, ist es offiziell nur noch ein Partybezirk und die Alternative zu den Clubs im reichen Makati. Das Hostel sieht gut aus. Alles ist sauber, die Menschen sind freundlich und es gibt einen großen Aufenthaltsraum. Ich will ins Bett (immernoch), aber auch eine Abenteurerin sein, also begleite ich Micha und Silvi auf der Erkundungstour durch die dunklen Straßen Malates.

Im Nachhinein bin ich froh, dass wir schon am Anfang wussten, wie Manila in den meisten Stadtteilen wirklich aussieht. So ist es für uns nicht das Normale, in einer sauberen Umgebung mit reichen Filipinos zu studieren. In dieser Nacht habe ich es gehasst.
Ich hatte nicht damit gerechnet, gleich zu Beginn mit so viel Elend konfrontiert zu werden. Die Straßen sind schmutzig, löchrig, überall riecht es nach Kloake und Ladyboys pfeifen nach Micha. Die meisten Kinder sind nur in Lumpen gekleidet und ziehen an meinen Klamotten. „Give me your money. Give me your drink.“ Am Straßenrand gibt es hunderte kleine „Shops“, eigentlich sind es Tische, unter denen sich halbe Familien zusammenkuscheln und hinter denen die mageren Mütter sitzen und Zigaretten, Handyguthaben oder Bananen verkaufen.
Wir wollen zum Wasser – ans Meer, für bessere Stimmung. Da ist es genauso dreckig, es stinkt und die Menschen schlafen auf Kartons, schlafen in Tricycles, schlafen mitten auf der Straße. Die Laune bleibt. Vorerst.

Marikina City

In den nächsten Tagen fahren wir viel Zug, besuchen unsere Uni, suchen eine Wohnung und ich gewöhne mich. Bilder habe ich in den letzten Tage keine gemacht. Mit einer Kamera protzen will ich nicht, wenn ich doch schon ein schlechtes Gewissen wegen meiner blonden Haare habe.
Vier Tage dauert es bis Silvi und ich in unser Appartment im ursprünglichen Barangka, Marikina einziehen und Micha in seines einen Stock darüber. Vier Tage bis sich alles ändert. Die Straße ist voller Leben, weder besonders arm noch besonders reich, die Menschen sind nicht so unglücklich wie in Malate und nachts schlafen alle in einem richtigen Zuhause.

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Wer mit den Weißen befreundet ist, ist hier cool. Jeder grüßt uns – „Hey, Beautiful.“ – will wissen, wo wir herkommen, wie wir heißen und überhaupt: wer sind wir? Sogar die Security Guards, die hier an jeder Ecke und vor jedem Laden stehen, finden uns so spektakulär, dass sie uns ständig in ein Gespräch verwickeln wollen – und wenn es darin auch nur um die ausgesprochene Nützlichkeit von Sicherheitskameras geht.
Wir finden also schnell philippinische Freunde, die uns zu Chicken Adobo einladen ( – einem Nationalgericht, im Grunde Hühnchen mit Soße und allem, was man so da hat) und mit uns zu einem Fußballspiel der philippinischen Nationalmannschaft gehen.

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Wir gewöhnen uns gerade so ein bisschen an unser neues Leben hier.
Dann packen wir unsere Sachen und machen uns auf die Reise.

Die weite Reise in Kürze

Wir lernen das Land kennen. Bereisen es per Flugzeug, auf Fähren und Booten, in Bussen, die auf 16 Grad heruntergekühlt sind, auf den Dächern überfüllter Jeepneys, in Tricycles und auf Motorbikes.

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Wir essen Austern, Fische und Krabben, die erst 20 Minuten vorher aus dem Meer gefischt worden sind, schnorcheln an den schönsten Korallenriffen, begegnen Schmetterlingen, die groß sind wie Handteller, Skorpionen und Affen (,die wir dankenswerter Weise beim Geschlechtsverkehr beobachten durften).

Wir waten durch den Dschungel und schlafen dort auch, lassen uns von Millionen von Mücken stechen, fahren mit dem Boot über einen Fluß in einer rießigen Tropfsteinhöhle. Wir genießen die schönsten Inseln um El Nido und treffen viele interessante Leute aus der ganzen Welt, mit denen wir lachen und Rum trinken, mit Walhaien und Riesenschildkröten schwimmen. Ich habe irgendwann begonnen, dieses Land zu lieben.

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Die Rückkehr

Am 3. November fliegen wir wieder zurück in die Stadt und ich will nicht. Aber als ich dann tatsächlich da bin, merke ich, dass alles garnicht mehr so schlimm ist. Die Hitze ist plötzlich erträglicher, es stinkt nicht mehr so bestialisch und unsere Nachbarn find ich genauso nett, wie die Leute vom Land. Ich hatte anfangs Angst, ich wäre niemals so weit… Aber ich bin wohl wirklich angekommen.

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                                                                                            – Von Lara Thiede (Manila, Philippinen)

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