„How do you like it so far?“ That’s the question.

Das ist die Frage, die ewige Frage, die mich begleitet seitdem ich in den USA lebe. Es sind jetzt genau zwei Monate am Hamline Campus und ich muss sagen: Yes, i like it. Ganz ehrlich, ich mag es. Nicht immer, aber das sagt man nicht.

Wichtigste Regel: Minnesota Nice: Lächeln. Interesse zeigen und höflich antworten. Und wieder lächeln.

Zweiwichtigste Regel: Hänge an jedes „Hallo“ ein „How are you?“. (Es interessiert niemanden, aber frag einfach wegen yolo).

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Die vier Phasen

Als ich hier in St. Paul, der Hauptstadt von Minnesota angekommen bin, war ich ehrlicherweise schon ein wenig an die amerikanische Kultur gewöhnt. Dachte ich zumindest. Ich war für zehn Tage in New York City, dann vier Tage in Chicago und weitere vier Tage am Lake Pepin in Minnesota. Um die vier Phasen des Kulturshocks bin ich trotzdem nicht herumgekommen.

Honeymoon-Phase: How do you like it so far?  – Oh, I love it. EVERYTHING! IS! AWESOME!

Die beste Phase, kein Zweifel. Sie dauerte exakt ganze vier wunderbare Wochen. Ich habe mich wirklich in alles hier verliebt. Hals über Kopf. In den wunderschönen Campus, das reichhaltige Essen, die Aufmerksamkeit der Menschen, die Shopping Malls, die tausend Seen, die vielen Parks, und besonders in den weiten Himmel. Alles lief wie von selbst. Ich habe schnell eine nette Gruppe internationaler Studenten kennengelernt und die Twin Cities (Minneapolis und St. Paul) erkundet. Viele Partys, viele neue Leute, viel Spaß… naja, ihr wisst was ich mein. Easy life eben. So easy, dass man nicht merkt wie schnell die Zeit vergeht. Und so schnell, dass man nicht merkt, dass die Hosen enger werden. Doch ich will euch nicht langweilen. Honeymoon war dann doch auch schnell vorbei.

Die Krise: How do you like it so far? –  SHUT THE FUCK UP.

Ich dachte die Krise kommt schleichend. Falsch. Plötzlich war sie da. Und plötzlich mochte ich die Burger und die Pommes und die Sandwiches nicht mehr. Alles war so unendlich fettig und geschmacklos. Der Unterricht wurde langweilig – trotz vieler Hausaufgaben – und nicht mehr fordernd. Die Twin Cities waren ziemlich fertig erkundet. Die Freundlichkeit der Amerikaner machte mich nicht mehr glücklich, sondern einfach nur aggressiv. Ich vermisste diese gesunde Bitterkeit der Deutschen. Einmal saß ich im Bus und eine Frau wollte mir den richtigen Weg zeigen und das einzige, was ich denken konnte, war: Shut the fuck up. Ich wollte kein Hilfe, sondern einfach nur NICHT REDEN. Und nicht freundlich sein und um Himmels Willen nicht schon wieder lächeln.

Einem netten Herrn aus dem Security-Office meines Wohnheims musste ich schon dreimal zuhören, dass er in seiner Jugend in Mannheim stationiert war. DREI MAL. Immer die selbe Geschichte, die selbe Pointe. Haha, very funny.

Besonders bewegt hat mich in dieser krisenhaften Phase die Erkenntnis, wie schön Amerika sein kann, wenn man wieder gehen kann. Als Austauschstudent zahlt man nämlich keine 50.000 Dollar Studiengebühren im Jahr. Und man muss keine 40 Stunden die Woche an der Tankstelle arbeiten, wie mein Roommate, zum Beispiel.

Noch nie habe ich Deutschland so sehr geschätzt wie jetzt und noch nie war ich so stolz auf alles, was mir in Deutschland ermöglicht wird: kostenlose und ausgezeichnete Bildung oder Krankenversicherung. Immer wieder passiert es mir, dass ich in meiner American Government and Politics Class sitze und einfach nur den Kopf gegen die Wand hauen möchte. Wieso ist es in den USA so schwierig, ein gut funktionierendes Sozialhilfesystem aufzubauen, wenn doch alle Menschen so unglaublich freundlich und hilfsbereit sind? Widerspruch, hallo?

In der selben Klasse haben mich doch tatsächlich zwei Mädchen ausgelacht, weil ich mich besorgt zur globalen Erwärmung geäußert habe. Was gibt es dazu noch zu sagen? Achja, Republikanerinnen.

Ja, das nennt man wohl im Fachbereich der Interkulturellen Kommunikation „Krise“.  Ich nenne es: I HATE EYERTHING und das dauerte zwei Wochen.

Erholung: How do you like it so far? –  You know, it’s different, but nice.

Wie konnte ich mich nach dieser Krise erholen? Ganz einfach: Wunderbare Freunde. Drei Französinnen, eine Deutsche und ein paar sehr lustige Chinesen, die aber schon seit Jahren in den USA leben. Klar, man muss sich arrangieren. Die Dinge laufen eben anders hier, aber das ist okay.

Anpassung: How do you like it so far?  – I really enjoy my time here. (Das mit dem Minnesota Nice klappt hervorragend mittlerweile)

Trotz der vielen Kritik bin ich sehr glücklich hier. Heimweh hat keinen Platz in meinem Kopf, nur Vorfreude auf die nächsten Wochen. Las Vegas is calling! Ich gehe regelmäßig aus, denn mein Wochenende beginnt am Donnerstag. Ich habe wieder Gefallen am Sightseeing gefunden. Der Herbst in Minnesota ist einfach viel zu schön, um schlecht drauf zu sein. Das Essen ist wieder lecker, die Hosen immer noch zu eng, aber who cares?

Ich habe mich mittlerweile gut angepasst und stelle mir manchmal vor, wie es wäre hier zu bleiben. Aber keine Sorge, dann fällt mir wieder ein, was im Sommer auf mich wartet: die besten Freundinnen der Welt und Eichstätt.

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