Von Tauben und afrikanischer Politik, von Sprachbarrieren und einem Affenzirkus

Die Uni hat tatsächlich mittlerweile begonnen. Doch auch in den Kursen treffen die deutsche und die afrikanische Welt manchmal aufeinander – mit einem lauten Rumms.

„Iiih, da liegt ja ein toter Vogel“, ruft Franzi als wir uns im Lecture Room 5 in die dritte Reihe setzen. Reihe eins und zwei bleiben unbelegt. Unsere Köpfe schnellen nach oben zu dem schwarzen Loch (wofür soll das überhaupt gut sein?), aus dem ein paar Feder ragen. Die Federn rühren sich nicht. Ich versuche sie so gut es geht zu ignorieren während unser Dozent Ivan vorne unseren heutigen Gast präsentiert: Isaac Imkala. „You always must have the smile“, ermahnt uns Ivan noch und lässt seine weißen Zähne aufblitzen. Ja, verkrampft versuche ich die tote Taube auszublenden und den Gast anzulächeln. So recht nehme ich mir das selbst nicht ab. War auch klar, dass die Taube wieder direkt über uns vor sich hin modern muss.

Isaac Imkala schreibt für den Daily Monitor. Sein Job: Von Dienstag bis Donnerstag die Parlamentssitzungen besuchen und sich dann überlegen, was vom Gesagten eine Geschichte wert ist. Erst mal bekommen wir von ihm einen kurzen Abriss, wie in Uganda ein Beschluss gefasst oder ein Gesetz verabschiedet wird. Imkala zuzuhören ist gar nicht so leicht: am Anfang des Satzes schreit er uns die Worte entgegen, zum Ende hin wird er immer schneller und leiser, nuschelt in seinen nicht vorhandenen Bart. Dann geht er mitten im Satz an sein Handy.

Auch der Tafelanschrieb hat Klasse. Obwohl schon von einem der vorherigen Kurse genug auf der Tafel steht, streichelt Isaac immer wieder mit der Kreide über die zerkratzte Fläche. Ob diese Hyroglyphen da vorne wirklich Buchstaben sind, da bin ich mir nicht sicher. Irgendwann erbarmt sich unser Professor Ivan, steht auf und putzt die Tafel. Das nimmt Isaac nur zum Anlass sich nicht mal mehr umzudrehen: Er streckt seine Hand rückwärts aus und malt krakelige Zeichen, die ich nicht entziffern kann.

Tafelanschrieb

Tafelanschrieb

10 Minuten Pause. Hinter uns, in Reihe vier, setzen sich fünf Mädchen von hinten nach vorne. Sie verstehen auch nicht viel, von dem was Isaac erzählt. Immerhin eine kleine Erleichterung. Vielleicht ist mein Englisch doch nicht so schlecht.

Ach ja, und die Taube: Die hat sich dazu entschlossen, doch zu leben. Auf einmal bewegt sie sich, was mich nicht minder erschreckt als die Tatsache einer Leiche im Klassenzimmer. Die Taube juckt das wenig und sie schaut interessiert von oben auf uns herunter. Solange sie bleibt, wo sie ist, soll mir das recht sein.

Taube

Es geht weiter. Alles halb so wild – das bisschen, das ich verstehe ist dann auch wirklich interessant. Dann die Aufgabe: Geht ins Parlament und schreibt einen Artikel.

Was? Na wunderbar! Erste course work und direkt sowas. Als ob wir in der Lage sind auch nur ein einziges Mitglied im Parlament zu erkennen, denke ich. Und wenn ich hier schon so wenig verstehe, wie soll das dann da werden? Der Rat von unserem Dozenten Ivan ist auch wenig hilfreich: „Just go there and see what they talk about. Then write something interesting.“

 

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