Willkommen bei den Sch’tis

Sprachbarriere

Leistungskurs Französisch, in Bayern, na klar. Das reicht doch mal locker für ein läppisches Auslandssemester in Frankreich. Dachte ich. Dass es manchmal aber gar nicht so einfach ist, sich zu artikulieren. Dass einen das ständige Gewechsle zwischen Deutsch, Französisch und Englisch ganz schön stressen kann, das hab ich schon am ersten Tag zu spüren bekommen. Ja, die Sprache ist das A und O bei der Integration. Immer wieder ist das ein Thema in den aktuellen Debatten der Flüchtlingspolitik und ich kann schon nach zwei Wochen in Frankreich sagen: Ja man. Sprache IST das A und O.
An meinem ersten Tag habe ich meinen Buddy kennengelernt, Maelys, eine super süße, angenehm-verrückte Französin. Sie hat als Kind kurz in Leipzig gelebt. Mein Glück. Ihr Deutsch ist ungefähr so gut wie mein Französisch, zusammen kriegen wir das aber schon hin, irgendwie verstehen wir uns dann schon. Wenn bei mir das Französisch aussetzt, kommt sie mir entgegen und spricht deutsch. Aber manchmal, ja, da fehlen mir buchstäblich die Worte. Vergessen oder noch nie gehört. Und das ist so ein blöder Moment. Wenn man sich artikulieren will und es einfach nicht hinbekommt. Mit den berühmten Händen und Füßen geht’s schon und ja – ihr merkt – erstes Fazit: Auch wenn man die Sprache nicht perfekt beherrscht, oft reicht auch schon eine kleine Geste oder ein Blick und der Gegenüber weiß sofort was man meint.
Schwieriger wird’s in der Gruppe. Wenn die Franzosen erst mal loslegen, mon dieu, dann komme ich ganz schön ins Schwitzen.
Aber mit einem Klischee muss ich hier echt aufräumen. Es stimmt meiner Erfahrung nach nicht, dass die Franzosen nicht Englisch reden wollen, sie können es zum Großteil schlicht und ergreifend nicht. Und da kann keiner was dafür, außer die zuständigen Politiker.
Die Stadt

Lille ist wirklich wunderschön. Tolle Altstadt. Vom Gefühl her eine Mischung aus Amsterdam und Paris. Der Grand Place ist der Dreh- und Angelpunkt der Stadt, drum herum viele kleine Straßen mit unzähligen Cafés, Bars, Läden, alles was das Herz begehrt. Ich hab mich hier sofort wohlgefühlt, die Stadt hat eine angenehme Größe. Auch wenn ich natürlich von Erding und Eichstätt das Großstadtleben NICHT gerade gewöhnt bin. Aber ich geh schon bei rot über die Ampel, wie die echten Franzosen. Und mittlerweile gebe ich nicht mehr JEDEM Bettler einen Euro. Oder zwei.
Die Uni

Ich bin am ISTC France, Nummer 3 im Ranking in ganz Frankreich was Kommunikation betrifft. Kleine „Schule“ (Ja, die sagen hier Schule), tolle Atmosphäre, und ich kann wirklich immer zu meinen Betreuern gehen und alle sind super lieb. Auch wenn man schon merkt, dass es hier in erster Linie darum geht, Marketing und PR-Experten auszubilden. Eine ganz andere Welt als in Eichstätt, aber nicht weniger spannend. Im Gegenteil. Wir haben einige Kurse in denen es zum Beispiel nur darum geht, wie man sich präsentiert, wie man sich verhält wenn eine Gruppe von Menschen gegen einen ist und so weiter. Also hier lernt man wirklich nicht nur für die Uni, sondern fürs Leben.
Deutschland- Frankreich: wirklich eine Freundschaft?

Die Franzosen die ich bisher kennengelernt habe sind wirklich alle sehr zuvorkommend. Neulich war ich einkaufen, und ja, man erkennt anscheinend an einem einfachen „Salut“ dass ich Ausländerin bin, aber das ist nicht schlimm. Auf jeden Fall hat mich der Verkäufer gefragt wo ich herkomme und als ich „Allemagne“ entgegnete, meinte er „Oh dann haben wir ja eine Weltmeisterin in unserem Laden!“ So wird man doch gerne begrüßt! Keine Spur von Neid, Missgunst oder sonst irgendetwas. Ich glaube, die Franzosen gönnen es uns richtig, die meisten Franzosen haben mir gleich gesagt, dass sie die deutsche Mannschaft richtig sympathisch finden und dass sie Deutschland lieben 😉
Und in einem Kurs, der ausnahmsweise mal auf Englisch war, kam dann nach einer Diskussion über die EU die Frage aller Fragen. „Do you feel rather european or German?“ Und ich habe geantwortet „Well, both. It’s just like when you’re asking me whether I’m from Germany or from Bavaria- I’m both, it’s just the next level“. Was ich damit sagen will, es geht eigentlich schon lange nicht mehr drum, was zwischen Deutschland und Frankreich abgeht. Wir sind alle Europäer und das ist wie bei Geschwistern. Natürlich streitet man sich mal, dem andern geht’s vielleicht besser oder schlechter und manchmal ist man auch neidisch. Aber am Ende des Tages ist man immer noch eine (europäische) Familie.


Und ansonsten

Gefällts mir hier echt super, auch wenn ich meine Eichstätt-/ Erding-Crew jetzt schon vermisse. Aber C’EST LA VIE and live could be worse:)

 

 

Eure Steffi

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