Uganda: The Pearl of Africa – und ich

Wenn ich meine fast vier Wochen hier in Afrika in einem Wort beschreiben müsste, wäre es vermutlich Chaos. Oder unorganisiert. Das klingt erstmal negativ – ich weiß. Aber der Reihe nach.

Das Chaos beginnt eigentlich schon als ich meinen Fuß aus dem Flieger setze und versuche in das Land einzureisen. Ich werde von A nach B nach C geschickt. „You are in the wrong line“ höre ich nicht nur einmal. Dann möchte das Fingerscangerät meinen Fingerabdruck nicht erkennen und schließlich werfe ich bei dem Versuch mein pinkes 30kg Monstrum vom Gepäckband zu hieven fast einen Mann um. Der Koffer fährt trotzdem weiter. Netterweise hechtet der Mann ihm nach und lacht nur unter meinen peinlich berührt gestammelten „Sorrys“.

Aber dann bin ich da, die Türen vom Flughafen gleiten auseinander und ich mache meinen ersten Schritt hinaus und rein ins Abenteuer Afrika.
Als wir im Taxi von Entebbe nach Kampala fahren, weiß ich gar nicht wo ich hinschauen soll. Die Eindrücke prasseln auf mich ein: Frauen, die Säcke so groß wie sie selbst auf dem Kopf balancieren, Kinder, die am Straßenrand lachen und spielen, ein Copyshop der von außen aussieht wie ein Plumpsklo in Omas Schrebergarten. Und dann ist da dieser rötliche Staub, den die fahrenden Autos aufwirbeln. Verkehrsregeln scheinen hier auch eher nebensächlich zu sein, zumindest für die Fahrer der Bodas (Motorradtaxi) und Taxis (Minibusse).

Die Stadt hier ist voll. Und chaotisch. Ich glaube, leise ist es hier zu keiner Tages- oder Nachtzeit. Immer hört man jemanden hupen, schreien oder Musik spielen. Jeden Morgen wird man durch den Lärm der Taxis, Bodas oder Autos, die an unserem Haus vorbeibrettern geweckt. Oder eben durch Musik. Die scheint unser Nachbar zu lieben. So beschallt er die komplette Straße mit seiner anscheinend einzigen Playlist. Isolierte Wände sucht man hier umsonst, viel eher ist es als ob die komplette Nachbarschaft in unserem Wohnzimmer eine riesen Party feiert.Es ist ein krasser Kontrast zum beschaulichen Eichstätt, wo einen höchstens mal die Kirchenglocken stören. Und trotzdem fühle ich mich direkt wohl hier. Auch wenn ich glaube, dass ich nie irgendwohin finden werde. Meinem Orientierungssinn sei dank, fällt mir das ja eh immer etwas schwer.

Doch mein erster Eindruck hat mich getäuscht. Mittlerweile komme ich ganz gut zurecht, kenne die für mich wichtigen Teile der Stadt mit Namen und kann ungefähr die Distanzen abschätzen. Außerdem: Die Leute hier sind freundlich und aufgeschlossen. Wenn wir mal etwas verloren herumstehen, kommt immer jemand, der uns fragt, ob er helfen kann, wo wir hinwollen oder was wir suchen. Klingt eigentlich schon nicht mehr nach Chaos, oder?

Da gibt es aber noch die Uni. Ja, der Grund, weswegen wir eigentlich hier sind. Es hieß, Unibeginn ist am 16. August. Daraus wurde dann der 18. August. Als wir dann aber da waren, war William aus dem International Office direkt verwundert, was wir hier denn schon wollen. Unibeginn wäre schließlich erst in einer Woche. Aus dem 25. August wurde dann September. Immer, wenn wir dachten, okay morgen erfahren wir endlich was, wurden wir vertröstet. Und auch hier: von A nach B nach C geschickt. Um dann wieder bei A im Büro zu landen, der uns leider noch nicht helfen kann, da die Stundenpläne noch gemacht werden.

Bei der Einführungsveranstaltung hat sich unser Head of Departement etwas lustig über uns gemacht, wir sollen unser europäisches Denken ablegen, denn schließlich sind wir hier in Afrika. „Everything will work out in the end.“ Ja, das ist ein schöner Gedanke, aber so ganz hat uns unser deutsches Wesen nicht losgelassen und wir sind heute erneut in die Uni und waren sogar fast erfolgreich. Immerhin wissen wir, dass am Mittwoch unser erster Kurs stattfindet. Ich bin gespannt, ob sich das Chaos dort fortsetzt oder – wie uns heute versprochen wurde – „once the semester starts we will be more organized“.

Von Anne Fleischmann

 

Bildergalerie: Draufklicken und ihr könnt sie in groß anschauen.

 

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Ein Gedanke zu “Uganda: The Pearl of Africa – und ich

  1. Hab’s gerade im Bus gelesen und war so in die Geschichte versunken, dass ich fast den Ausstieg verpasst habe! Sehr spannend! Ich wünsch euch noch viel Erfolg und bewundere euch sehr für euren Mut 🙂

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