Empanadas, Sojaschrot und jede menge Avocados – als Vegetarierin in Chile

Chile ist zwar bekannt für leckere Fleischgerichte – aber auch in Valparaíso ist der Vegetarier-Trend angekommen.

„Die essen da doch nur Fleisch!“, „Da bin ich ja mal gespannt, ob du das hinkriegst.“, „Ich hab eine Freundin, die war Vegetarierin und in Lateinamerika MUSSTE sie Fleisch essen!“ Das sind in etwa die Reaktionen meiner deutschen Freunde, als es darum geht, was ich während meines Auslandssemesters in Chile essen werde.

Trotzdem steige ich voller Zuversicht in den Flieger und freue mich gleich sehr über meine vorbestellte vegane Mahlzeit: Reis mit Gemüse und zum Nachtisch Apfelmus. Ich hatte ganz vergessen, wie lecker Apfelmus schmeckt!

Gleich am ersten Abend mit anderen Austausch-Studenten in einer Pizzeria kommt die Frage auf: Ist jemand Vegetarier? Tatsächlich zögere ich kurz und überlege, was für Reaktionen kommen werden. Aber dann denke ich mir: das kann ja wohl nicht so schwierig sein! Für mich ist es mittlerweile selbstverständlich, kein Fleisch zu essen. Meine Gedanken kreisen meistens eher um mein schlechtes Gewissen, wenn ich Käse esse oder einen Cappuccino trinke. Ich bin zwar die einzige Vegetarierin am Tisch, aber es interessiert eigentlich keinen. Anders als in Deutschland werde ich auch keinem Verhör unterzogen und in eine Position der Rechtfertigung gedrängt. Ganz im Gegenteil: Ein Neuseeländer am Tisch erzählt begeistert Geschichten von einem befreundeten Vegetarier, der ein begnadeter Koch sei. Und in der Karte gibt es sogar mehrere vegetarische Pizzen. Also kein Problem!

In meinem Hostel gibt es jeden Morgen für alle Brot mit Marmelade und Obst – nicht nur vegetarisch, sondern sogar vegan. Es folgt der erste Tag der Orientierungswoche in der Uni: Frühstück für alle. Es gibt Sandwiches mit Avocado und Tomate. Avocados sind mein absolutes Lieblingsessen. Ich treffe die zwei Veganerinnen, beides Deutsche. In der Mittagspause gibt es in der Cafeteria Soja-Burger.

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Mein Frühstück

Ein paar Tage später ziehe in eine WG um und wir kochen gemeinsam. Im Gemüseladen nebenan habe ich einen Haufen Gemüse und Obst für ein paar Euro gekauft. Mein Mitbewohner holt eine große Tüte Sojaschrot, die hier auf dem Markt ungefähr ein paar Euro kostet. Daraus machen wir eine Art Gemüse-Gehacktes-Pfanne und dazu gibt es Salat und Kartoffeln. Also ein komplett veganes Essen. Erst danach werde ich gefragt: „Bist du eigentlich Vegetarierin?“

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Ein Haufen Gemüse und Obst für umgerechnet nicht einmal drei Euro

Ich wurde noch nie so oft gefragt, ob ich Vegetarierin bin, wie in Valparaíso. In Deutschland wird meistens davon ausgegangen, dass alle Fleisch essen und die Vegetarier sind die Verrückten mit Extra-Wünschen. Hier sind alle sehr sensibel und akzeptieren andere Ernährungsformen ohne nerviges Nachstochern.

Auch Empanadas, die Nationalspeise, die es überall auf der Straße und im Restaurant zu kaufen gibt, schmeckt ganz wunderbar mit Champignons, Tomaten und Käse.

Mal abgesehen davon – selbst wenn ich Fleisch essen würde – so unhygienisch wie die meisten Fleischtheken hier aussehen, kann ich wirklich nicht nachvollziehen wie man das bedenkenlos essen kann. Ich freue mich schon auf meine Zeit im Paradies für Avocado-Fans, die hier umgerechnet circa ein bis zwei Euro pro Kilogramm kosten :-).

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Von Sophia Boddenberg

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